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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Auffallend hohe Suizidrate in der Steiermark

In der Universitätsklinik in Graz wurde zwar eine neue Abteilung für Psychiatrie errichtet, in den Regionen fehlen aber weiterhin Begleit-, Betreuungs- und Behandlungsangebote.

Aus dem Psychiatriekapitel des aktuellen steirischen Gesundheitsberichtes geht hervor: Mehr als ein Fünftel der Steirer - etwa 260.000 Menschen - leiden an psychischen Erkrankungen. Knapp 107.000 sind von persönlichkeitsbezogenen Problemen betroffen, knapp 60.000 von Demenz oder einem anderen psychoorganischen Syndrom. Knapp 50.000 Fälle sind Abhängigkeitserkrankungen zuzuordnen, zum überwiegenden Teil von Alkohol. Dazu kommen noch etwa 12.000 Steirer - etwa ein Prozent der Bevölkerung -, die an Krankheitsbildern aus dem schizophrenen Formenkreis laborieren.

11.500 stationär aufgenommen

Im gesamten Bundesland müssen jährlich 11.500 psychisch Kranke im Spital behandelt werden, gut 3.000 davon stammen aus dem Großraum Graz. "Bei den 15- bis 25-Jährigen gibt es in Graz um die Hälfte mehr Personen mit psychischen Erkrankungen als im Südosten", erklärt Gesundheitslandesrat Günter Dörflinger. Auch bei älteren Menschen wäre ein ähnlicher Trend zu beobachten. Am allerhöchsten liegt die Erkrankungsrate, wie bei vielen anderen Krankheiten auch, bei über 70-Jährigen. Jeder 40. Grazer dieser Altersgruppe muss wegen psychischer Leiden ins Krankenhaus.
All diese Daten wurden mit einem neuen System erhoben, das die psychiatrische Versorgung im Bundesland optimieren soll. Als "Meilenstein" der Versorgung gilt die neu eröffnete Psychiatrie an der Uniklinik Graz mit 64 Betten. Geboten wird Betreuung "nach europäischem Spitzenstandard, auch Forschung und Ausbildung sind möglich", so Dörflinger.
Nicht gelöst wird damit das schon mehrfach kritisierte Problem der fehlenden psychiatrischen Versorgung in den Regionen. Die hohen Zahlen in der Landeshauptstadt haben auch damit zu tun, dass Patienten aus dem ganzen Land dorthin transportiert werden müssen. Das macht gerade die Betreuung bei akuten Krisen sehr schwierig.

Höchste Suizidquote

Im Psychiatriebericht wird extra auf die vergleichsweise hohe Suizidrate hingewiesen: 23 von 100.000 Einwohnern nehmen sich Jahr für Jahr in der grünen Mark selbst das Leben. Damit liegt die Steiermark europaweit hinter Finnland am traurigen zweiten Platz und in Österreich mit Abstand an der Spitze. Ausbaufähig ist auch in der Steiermark das Angebot niederschwelliger extramuraler Einrichtungen, die eng vernetzt mit niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten sein müssten.
Zur neuen Psychiatrie selbst heißt es von Seiten der Patientenanwältin DSA Mag. Alice Lenzberger: "Diese ist in räumlicher Hinsicht auf alle Fälle verbessert worden." Speziell der "überwachte" Bereich wurde größer gestaltet und darauf Rücksicht genommen, dass PatientInnen in Ein- bzw. Zweibettzimmern untergebracht sind und ein eigener Aufenthaltsbereich zur Verfügung steht. Allerdings würden die Zimmer mittels Videokamera überwacht. Wie PatientInnen darauf reagieren, sei noch offen.

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