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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Ärzte sollten pflegende Angehörige unterstützen

Statistisch gesehen geht die Zahl jener Personen deutlich zurück, die Pflege übernehmen können. Konkret: Heute kommen auf einen 80-Jährigen noch fünf Personen aus der "Pflegegeneration" der 50- bis 65-Jährigen, im Jahr 2030 werden es nur noch zwei sein.

80 Prozent der Pflege findet im familiären Umfeld statt, meist liegt die Last bei Frauen. In einigen Jahren werden in Österreich ca. 450.000 Personen pflegebedürftig sein, der Druck, dem pflegende Angehörige standhalten müssen, nimmt zu. "Es ist ein 24-Stunden-Job, sieben Tage in der Woche - oft ohne Pause", analysiert der Freistädter Arzt für Allgemeinmedizin, Dr. Bernhard Gugel, der sich selbst in einer Gruppe für diese Personen engagiert.
"Ein ständiger Begleiter ist das schlechte Gewissen", so Gugel. Schon der Gedanke daran, sich einmal etwas selber zu gönnen, könne eine Gratwanderung sein. Gar nicht zu reden von Abendfreizeit oder einem längeren Urlaub. "Es ist eine enorme körperliche und seelische Belastung, eine ständige Konfrontation mit dem eigenen noch Machbaren", ergänzt die diplomierte Krankenschwester Ulrike Hinterleithner. Sie ist bei der oberösterreichischen Sanitätsdirektion auch für die Organisation von Stammtischen für pflegende Angehörige zuständig. "Pflegearbeit heißt oft, ganz auf sich gestellt zu sein", betont Gugel. "Hausärzte können
diesen Menschen Wertschätzung für ihre enormen Leistungen vermitteln, sie aber auch auf unterstützende Angebote aufmerksam
machen." In Oberösterreich ermöglichen z.B. Stammtische einen Gedanken- und Erfahrungsaustausch sowie die Behandlung aktueller Themen. Institutionen wie Caritas und Volkshilfe bieten Kurse an, sowohl für Pflegende auch für LeiterInnen von Selbsthilfegruppen.
Immer wieder eingefordert wird professionelle Pflegeberatung. Nach wie vor ist für Angehörige der bürokratische Dschungel, um an ein adäquates Pflegegeld zu kommen, eine oft unüberwindbare Hürde. Auch dabei können Ärzte Unterstützung bieten. Der Präsident der Ärztekammer für OÖ, Dr. Otto Pjeta, forderte erst kürzlich eine deutlich bessere Honorierung dieser Tätigkeit.

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