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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Ärztekammer startet Aktion "Rettet die Enkel"

Ohne Behandlung sterben 50 Prozent der männlichen und 15 Prozent der
weiblichen Patienten mit familiärer Cholesterinerhöhung noch vor dem
60. Lebensjahr. Die Ärztekammer für Wien, das Lipidforum austriacum und der Herzverband starten eine Vorsorgeaktion.

Etwa die Hälfte der Herzinfarktpatienten in Österreich weist eine positive Familienanamnese auf: Sie kommen aus so genannten "Infarktfamilien", deren Mitglieder
genetisch vorbelastet sind. Diesen Menschen will die Ärztekammer
für Wien gemeinsam mit dem Lipidforum austriacum und der Patienten-Selbsthilfegruppe Österreichischer Herzverband mit ihrer Kampagne "Rettet die Enkel - Angeborene familiäre Cholesterinerhöhung" helfen.
"Die familiäre Cholesterinerhöhung ist die gefährlichste Form der angeborenen Fett-Stoffwechselstörung. Sie tritt in einer Häufigkeit von 1:500 auf, das heißt, es sind in etwa 16.000 der acht Millionen Österreichern davon betroffen", betont Prim. Dr. Herbert Laimer, Ärztlicher Leiter des Rehabilitationszentrums Bad Tatzmannsdorf und Initiator der Kampagne "Rettet die Enkel".

Cholesterinabbau gestört

Die Cholesterinwerte der Betroffenen liegen bei mehr als 300 mg/dl, verursacht durch einen Fehler im Cholesterinabbau. "Die betroffenen Personen haben zu wenig LDL-
Rezeptoren, die das überschüssige LDL-Cholesterin aus dem Blut herausfiltern können. Dieses wird somit an den Wänden der Arterien abgelagert und führt langfristig zu Gefäßverengungen und -verschlüssen", so Laimer. Dabei spiele die Ernährung jedoch nur eine untergeordnete Rolle, betont Laimer: "Selbst wenn die Betroffenen nur Gras essen würden und sie noch so schlank sind - das Cholesterin bleibt in Infarktfamilien ohne medikamentöse Behandlung bedrohlich erhöht."

Früherkennung forcieren

Als leitender Oberarzt der LDL-Apheresestation im Wiener AKH betreut Prof. Dr. Kurt Derfler seit Jahren Patienten, die auf Basis ihrer erblichen Fettstoffwechselstörung sehr früh an einer atherosklerotischen Gefäßerkrankung leiden. Derfler: "Wir sind mit Patienten konfrontiert, bei denen die katastrophalen Auswirkungen einer nicht therapierten Fettstoffwechselstörung vorliegen. Bei diesen Patienten ist es erforderlich, im wöchentlichen Intervall das Blut vom Cholesterin zu reinigen. Dadurch bilden sich Gefäßschäden zurück. Durch das Absenken des Cholesterinspiegels werden auch die atherosklerotischen Gefäßerkrankungen beherrschbar."

Ohne Behandlung sterben 50

Prozent der männlichen und 15 Prozent der weiblichen Patienten mit familiärer Cholesterinerhöhung noch vor dem 60. Lebensjahr an den Folgen einer atherosklerotischen Herz-Kreislauferkrankung. Laimer: "Es gibt heute sehr gute Methoden, um die gefährlich erhöhten Cholesterinwerte zu senken. Die Herausforderung für die Medizin besteht darin, die noch gesunden Menschen mit familiärer Vorbelastung zu erwischen, ehe das Krankheitsbild einsetzt."
Laut Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner werden auch alle niedergelassenen Allgemeinmediziner und Fachärzte für Innere Medizin sowie Kinderärzte mit einbezogen und entsprechend informiert: "Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ist von besonderer Relevanz für den Erfolg der
Aktion. Kein Patient, der sich informieren oder untersuchen lassen will, darf aufgrund von Kassenzwängen und Kostendruck abgelehnt werden."
Auch Laimer als Initiator der Kampagne bekräftigt, wie wichtig die Obsorge des Allgemeinmediziners oder des Facharztes ist: "Wenn der Großvater früh an einem Herzinfarkt verstorben ist, der Vater vielleicht gerade eine Bypassoperation hinter sich hat und auch der Enkel einen sehr hohen Cholesterinwert aufweist, müssen beim behandelnden Hausarzt die Alarmglocken läuten."

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