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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Ärzte begrüßen Angebot der Überleitungspflege

Dr. Matthias Renner, Arzt für Allgemeinmedizin in Altmünster, kann sich noch gut erinnern: "Da standen plötzlich die Angehörigen mit Entlassungspapieren vor mir, und es musste alles für den zu Pflegenden faktisch von einem Moment zum anderen organisiert werden." Durch die Überleitungspflege habe sich die Kooperation mit den Spitälern verbessert.

Pflege zu Hause muss von langer Hand vorbereitet, Patienten auf die nicht immer einfache Rückkehr in die eigenen vier Wände eingestimmt und Angehörige gründlich beraten werden. Oft sind diverse Hilfsmittel für die Pflege zu organisieren bzw. mobile pflegerische und medizinische Dienste. Ärzte spielen bei diesem Prozess meist die wichtige Rolle des Koordinators. "Mit der Überleitungspflege kann alles vorher abgesprochen und geplant werden", so Renner.

30 Patienten pro Monat

Laut einer aktuellen Studie, die das "Institut für Bildung im Gesundheitsdienst" (IBG) im Auftrag des Landes durchgeführt hat, nehmen derzeit im Schnitt 30 Patienten pro Monat und Spital Überleitungspflege in Anspruch. Pro Patient werden dabei etwa sechs Stunden investiert; diese beurteilen das Angebot zum Großteil als "sehr gut".
Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass durch die Überleitungspflege die Aufenthaltsdauer im Spital sehr kurz bleiben konnte. Das ist auch ein bedeutender ökonomischer Gewinn, da ohne die Maßnahmen dieses Angebots fünf Prozent der Patienten innerhalb von 14 Tagen nach Spitalsentlassung wieder ins Krankenhaus kommen. Dies verursacht laut Angaben des Landes Kosten von über 60 Millionen Euro jährlich. Laut Studie ließe sich diese Zahl durch die Überleitungspflege um bis zu 45 Prozent senken, was einen Spareffekt von 27 Mio. Euro pro Jahr bedeutet.

Sicht der Allgemeinmediziner

Die Studie des IBG zeigt aber auch, dass nicht alle Ärzte so gut wie Renner informiert sind. "Die größeren Spitäler sind in der Kommunikation eher zurückhaltend", ist seine Wahrnehmung. Bei der Studie wurden auch Allgemeinmediziner befragt: 85% begrüßen die Einführung der Überleitungspflege und 81% meinen, dass durch deren Einführung den "Angehörigen einiges an Arbeit abgenommen wird". Allerdings meinen 60%, dass sie auch ohne diese Maßnahmen gut hätten weiter arbeiten können, und nur 60% glauben, dass sich der Drehtüreffekt vom/zum Spital reduziert hat. Nur die Hälfte der Befragten gibt an, dass ihnen durch die Überleitungspflege Arbeit abgenommen werde. Das eigene Wissen, wie weit die Verantwortlichkeit dieses Angebots geht, wird in der Studie als eher gering angegeben. Fast 65% bezweifeln, ob andere Ärzte dieses überhaupt kennen.
Am Anfang des Projektes wurde die Überleitungspflege von manchen Spitälern als Stiefkind behandelt, das zuständige Personal nicht entsprechend geschult oder vorbereitet und auch die Kommunikation nach außen wurde als nicht wirklich wichtig erachtet. Renner, der selbst bei der Umsetzung des Projekts in einem regionalen Arbeitskreis eingebunden war, ist aber von der Wichtigkeit der guten Begleitung von Patienten aus dem Spital in die eigenen vier Wände überzeugt und motiviert Kollegen, sich mit diesem Thema intensiver auseinander zu setzen.

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