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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Ärzte aktiv in "Gesunden Gemeinden"

"Public Health"-Experten meinen zwar, niedergelassene Ärzte könnten im Bereich Gesundheitsförderung noch mehr tun (siehe Beitrag Seite 19). Doch die Anfangsschritte sind längst gesetzt und entwickeln sich kontinuierlich zu großen Projekten, wie das Beispiel "Gesunde Gemeinden" zeigt.

Die Steiermark ist die Wiege der Idee der "Gesunden Gemeinde". Schon 1987 wurde dort dieses Projekt erstmals umgesetzt, das vor allem auf die Bedürfnisse und Rahmenbedingungen von kleineren Gemeinden zugeschnitten ist. Allein in der Steiermark sind 128 Orte im Netzwerk "Gesunde Gemeinde" organisiert, inzwischen machen auch einige Städte, wie Bruck an der Mur oder Kapfenberg, mit. In Oberösterreich bilden mehr als die Hälfte der 445 Städte und Gemeinden ein ähnliches Netzwerk.
Die Arbeit der "Gesunden Gemeinden" orientiert sich an der Ottawa-Charta (1986) der WHO: "Gesundheit wird von Menschen in ihrem alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben." Das Hauptaugenmerk liegt in der Gesundheitsförderung und -vorsorge.
Das konkrete Programm vor Ort wird von einem Kreis innerhalb der Gemeinde- oder Stadtverwaltung erarbeitet, bei dem auch die niedergelassenen Allgemeinmediziner einbezogen sind. Die Projekte der "Gesunden Gemeinden" reichen von Vorsorgeangeboten wie Gesundheitsstraßen oder Fitness-checks, über Kurse für Haltungsturnen, Lauftreffs, Programme für spezifische Zielgruppen wie Eltern, Jugendliche, Senioren oder Männer bis hin zur Förderung des Baus zusätzlicher Kinderspielplätze. Ein aktueller Schwerpunkt in Oberösterreich ist derzeit die psychische Gesundheit.

Programm für Männer in Krems

Der niedergelassene Urologe Dr. Kurt Kerbl hat in Kirchdorf/Krems z.B. einen Männergesundheitstag initiiert. 600 Besucher konnten eine Diagnose- und Beratungsstraße nutzen, erhielten Tipps zur Alkohol- und Nikotinentwöhnung, lernten Entspannungsübungen kennen und konnten Vorträge zur "männlichen Identität" hören.
Der niedergelassene Allgemeinmediziner Dr. Georg Witzmann aus Neumarkt im Mühlkreis engagierte sich mit seiner Frau in dem Projekt "Mädchenpower - Powermädchen". Zielgruppe waren 12- bis 13-jährige Mädchen an der Schwelle zur Pubertät. Sie setzten sich mit aktiver, eigenständiger und selbst bestimmter Lebensgestaltung vor allem auch in Hinblick auf die eigene Gesundheit auseinander. Beide Projekte wurden vom Land Oberösterreich kürzlich mit einem Förderungspreis ausgezeichnet.
In Salzburg engagiert sich seit 1992 der Arbeitskreis für Vorsorgemedizin (AVOS) bei der Begleitung der "Gesunden Gemeinden" - auch hier wird stark auf die Einbeziehung von Allgemeinmedizinern gesetzt. Etwa im Rahmen von Vorträgen, Projekten zu Arbeitsmedizin, gesunde Ernährung und Hautvorsorge oder Gesundheitsstraßen. So schreibt beispielsweise Dr. Gösta Maier, Gemeindearzt in Mühlbach, vierteljährlich Gesundheitstipps für die BewohnerInnen der Region.
In Niederösterreich werden die Gesunden Gemeinden durch das "Gesundheitsforum" organisiert. Sechs Gemeinden und ihre Ärzte initiierten im Vorjahr gemeinsame "Gesundheits- und Fitnesstage" mit Vorträgen, Workshops usw. In der "Gesunden Gemeinde" Neustift-Innermanzing wurde mit den Allgemeinmedizinern ein "Gesunder Vatertag" abgehalten, unter anderem mit einer gemeinsamen Wanderung. Von allen "Gesunden Gemeinden" gemeinsam unterstützt wird zudem auch die "Bewegte Klasse" mit Projekten rund um das Thema Bewegung in Schulen.
Initiativen zur Gesundheitsförderung in Gemeinden gibt es auch in Vorarlberg, etwa zum Thema Sicherheit am Arbeitsplatz. In Kärnten und Tirol läuft beispielsweise ein Projekt zum Bereich "Gesunde Ernährung" in der Gastronomie. Eine große Bandbreite an Initiativen gibt es in der "Gesunden Stadt Wien", die auf europäischer Ebene als Vorzeige- und Modellprojekt gehandelt wird.
Für niedergelassene Ärzte bieten die "Gesunden Gemeinden" vor allem die Chance, auch an den "gesunden" Teil der Bevölkerung "heranzukommen". Teils wird dabei ehrenamtliches Engagement gefordert, etwa für die Konzeption neuer Vorhaben der Gesundheitsinformation und -förderung. Bei Vorträgen oder Workshops im Rahmen von Gesundheitsstraßen wird das Engagement aber durchaus auch finanziell honoriert.

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