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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Arzt und Diätassistentin im Duett

Der Internist und Rheumatologe Dr. Thomas Schwingenschlögl in Maria Enzersdorf betreut in seiner Ordination gemeinsam mit einer Diätassistentin übergewichtige Menschen. So kann neben therapeutischen Maßnahmen auch umfassendes Wissen über Nahrungsmittel und Zubereitungstechniken vermittelt werden.
Weltweit gibt es laut aktuellen Statistiken bereits mehr als 250 Millionen adipöse Menschen - Tendenz steigend. Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Probleme sind die Folge. Nicht umsonst räumt die WHO der Adipositastherapie höchste Priorität ein. Andrea Hofbauer, Vorsitzende des Verbandes der Diplomierten DiätassistentInnen und Ernährungsmedizinischen BeraterInnen Österreichs, sieht in Zusammenhang damit ein bedenkliches Paradoxon: "Neben der immer dicker werdenden Welt steigt die Anzahl vor allem junger Mädchen und Frauen, die sich zu Tode hungern."

Gemeinsam handeln

"Die Behandlung dieser Patienten sollte auf interdisziplinäre Weise erfolgen", so Hofbauer. Voraussetzung für anhaltende Erfolge sei die Zusammenarbeit von Arzt, Diätassistenten, Psychologen bzw. Psychotherapeuten. Ein Beispiel für eine solche Kooperation ist die Ordination von Schwingenschlögl, der selbst das Diplom der Ärztekammer für Ernährungsmedizin absolviert und "schon im Krankenhaus mit Diätassistentinnen sehr gut zusammengearbeitet" hat.
Mit Edith Mayer-Hasenauer bietet er zweimal im Jahr Gruppenarbeit für Menschen mit Übergewicht an, zu der auch Bewegungstherapie gehört. "Letztlich führt nur eine wirkliche Verhaltensänderung zu einem langfristigen Erfolg in Bezug auf ein vernünftiges Körpergewicht", so Schwingenschlögl. Es gehe aber nicht darum, möglichst viel Gewicht in möglichst kurzer Zeit zu verlieren, denn sonst drohe der berüchtigte Joj-Jo-Effekt.

Drei Monate Gruppenarbeit

Der Internist setzt auf eine langfristige, ganzheitliche Betreuung dieser Patienten: "Die von uns angebotenen Gruppen treffen sich knapp drei Monate lang wöchentlich. Dazu gibt es etwa alle zwei Monate Recall-Treffen." Schwingenschlögl hat mit seinem Programm auch mit Gewichtsreduktion bei Rheuma-Patienten sehr gute Erfahrungen gemacht.
"Ein solch umfassender Betreuungsansatz ist nur in Kooperation möglich und kann sich nicht nur im engen Raum einer Kassenpraxis abspielen", sind sich Schwingenschlögl und Mayer-Hasenauer einig. Die Diätassistentin bietet auch Einzelberatungen an: "Wir können in der Arztpraxis vor allem auch unser umfassendes Wissen über Nahrungsmittel und Zubereitungstechniken einbringen."
Eine Kooperation mit dieser Berufsgruppe, die es seit etwa 40 Jahren gibt (siehe Kasten), ist angebracht bei Stoffwechselerkrankungen, bei Intoleranzen etwa gegen Fructose und Lactose sowie bei Adipositas. "Es sind auch immer mehr Kinder betroffen", so Mayer-Hasenauer. "Bei der Beratung von Minderjährigen beziehen wir auch die Eltern mit ein, die oft selbst Probleme mit Übergewicht haben."
In mehreren Bundesländern laufen derzeit Gespräche mit der Ärztekammer, um die Kooperation zwischen Ärzten und DiätassistentInnen zu intensivieren. "Ich kann eine solche Zusammenarbeit jedenfalls nur empfehlen", betont Schwingenschlögl. Hofbauer sieht als Kernbereiche für Kooperationen Adipositasprogramme oder Schulungen für Diabetiker; hier könne bereits auf guten Erfahrungen aus der Steiermark und Niederösterreich aufgebaut werden.

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