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Gesundheitspolitik 30. August 2006

Neuer Aufbruch für Palliativ Care

Wie die ÄRZTE WOCHE berichtet hat, startete im November des Vorjahres in Oberösterreich ein wissenschaftlich begleitetes Projekt, bei dem der Status quo der stationären und mobilen Palliativversorgung analysiert wurde. In allen Bezirken gab es dazu Arbeitsgruppen mit insgesamt über 500 Teilnehmern: Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen, Anbieter, Sozialhilfeverbände usw.

Als wichtigstes Ergebnis empfiehlt die Studie den zusätzlichen Aufbau von fünf mobilen Palliativteams. Die Mittel dafür sollen, "da es sich um krankenhausersetzende Angebote handelt, aus dem Strukturfonds kommen", so Gesundheitslandesrätin Dr. Silvia Stöger. Als erster konkreter Umsetzungsschritt soll neben dem bestehenden Team im Großraum Linz ein weiteres im "ländlichen Bereich" aufgebaut werden.
Die Teams sollen unter anderem eine Entlastung und Unterstützung ehrenamtlicher Strukturen bringen. Über 350 Personen mit einer großen Bandbreite an Qualifikation leisten an die 20.000 Stunden Arbeit im Bereich der Palliativ Care. Weiters sollen die Teams mit stationären Palliativeinrichtungen kooperieren sowie Angebote für pflegende Angehörige setzen. Empfohlen wird auch der Ausbau eines Palliativ-Care-Konsiliardienstes. Schwerpunkte sollten sein: Beratung der niedergelassenen Allgemeinmediziner und Fachärzte, auf Wunsch Übernahme von Schmerztherapie und Symptommanagement, Aufbau und Unterstützung von Qualitätszirkeln zum Thema sowie Impulse in der Weiterbildung.
"Der vorgelegte Plan ist eine sehr gute Basis für die weitere Umsetzung", freut sich Dr. Harald Reschitzegger, Leiter des Hospiz am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried. "Wichtig ist, dass er in absehbarer Zeit auch tatsächlich umgesetzt wird und die Einbindung aller Partner, vor allem auch der Hausärzte, ein Grundprinzip bleibt."

Stationärer Hospizplan

Einen fixen Zeitplan gibt es für den stationären Hospizplan. Bis 2005 sind im Krankenanstaltenplan insgesamt 400 Hospizbetten vorgesehen, davon 63 in Oberösterreich. 20 Betten sind bereits in Betrieb. Die übrigen sollen bis 2005 in Linz, Steyr, Vöcklabruck und Rohrbach entstehen. Neben der Optimierung der Schmerz- und Symptomkontrolle sowie der Verbesserung der Lebensqualität bleibt dabei die Entlassung in die gewohnte Umgebung ein zentrales Ziel. Umso wichtiger sind das gute Schnittstellenmanagement und die Strukturen im niedergelassenen Bereich.

Erfahrungen aus Linz

Im Jänner dieses Jahres startete ein aus Mitteln des Strukturfonds finanziertes mobiles Palliativteam der Caritas. Die Erfahrungen aus dieser Arbeit werden auch in den Aufbau des neuen Teams einfließen. "Gut läuft bereits die Einbindung der Hausärzte", berichtet DGKS Mag. Ulrike Pribil, Projektkoordinatorin der Caritas. Bei der Übernahme einer mobilen palliativen Betreuung werde immer der intensive Kontakt zu diesen gesucht.
Die Betreuung laufe in verschiedenen Phasen auch miteinander, etwa im Rahmen gemeinsamer Hausbesuche oder von Patienten in der Ordination.
"Wir arbeiten an der Umsetzung eines palliativen Konsiliardienstes", betont Pribil, "was die Hausärzte positiv aufnehmen." Ein wesentlicher Faktor für das Gelingen eines solchen Angebots sei überdies die gesellschaftliche Thematisierung des Sterbens. Letztlich gehe es um die Umsetzung einer palliativen Kultur in allen Einrichtungen und Angeboten für schwer kranke oder ältere Menschen.
Reschitzegger verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass das Interesse der Ärzte an Bildungsangeboten zum Themenfeld Palliativmedizin steigt: "Die Zahl der Patienten, die eine solche ganzheitliche Betreuung und Begleitung benötigen, wird weiter stark zunehmen." Nächstes Jahr bietet die Hospizgesellschaft gemeinsam mit der oberösterreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin einen Fortbildungskurs an.

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