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Gesundheitspolitik 22. August 2006

Erste Runde der Praxisevaluierung

Im Frühjahr 2006 startete die Evaluierung der Qualität in den österreichischen Praxen mit der Fachgruppe der Urologen. Die ersten Reaktionen der von der ÄRZTE WOCHE befragten Teilnehmer sind großteils positiv.

Die Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin GmbH (ÖQMed) konnte im April dieses Jahres endlich ihrer Bestimmung Folge leisten. Erste Zielgruppe waren die Urologen. Zunächst sendete die ÖQMed an alle Ärzte dieses Faches Fragebogen auf Papier oder ein Passwort für jene, die den Fragebogen im Internet ausfüllen wollten. Die Angaben der Ärzte werden anschließend auf Plausibilität geprüft. Zusätzlich wählt ein Zufallsgenerator eine Stichprobe von Ärzten aus, die von so genannten Auditoren – in Sachen Qualitätssicherung speziell geschulten Ärzten – besucht werden.
Seit dem Jahr 2003 besteht für die Ärztekammer die gesetzliche Verpflichtung, eine GesmbH zur Qualitätssicherung einzurichten. Der Widerstand gegen eine Überprüfung von außen war lange Zeit vehement. Doch „die Qualitätssicherung muss in den Händen der Ärzte bleiben“, hatte der damalige Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Otto Pjeta, mehrfach gefordert. Die ÖQMed hat nun bis Ende 2008 Zeit, die Qualitätserhebung österreichweit durchzuführen.
In Gesprächen der ÄRZTE WOCHE mit rund 20 Urologen stellte sich klar heraus: Die Ärzte sind einer externen Qualitätssicherung durchaus nicht so abgeneigt, wie es bei den Diskussionen in den Jahren vor der 5. Ärztegesetznovelle den Anschein hatte. Auch die Furcht vor überbordender Bürokratie hat sich – zumindest vorerst – nicht bewahrheitet.
„Die Qualitätssicherung von außen ist sicher keine schlechte Idee“, meint etwa Dr. Robert Petek aus Graz. Der Fragebogen sei „ein guter Anfang“. Auch andere Urologen werten die Qualitätssicherung von außen durchaus positiv. Ein oberösterreichischer Kollege sieht ein, dass es „irgendeine Form der Kontrolle schon geben muss“. Dr. Siegfried Überreiter aus Linz meint: „Durch die Evaluierung kann man Fehler in der eigenen Praxis sehen.“ Er und andere begrüßen, dass die Erhebung nicht gleich mit Sanktionen belegt ist und der Arzt Gelegenheit erhält, die Mängel zu beheben.
„Zu viel Bürokratie“ war jedenfalls nicht das Thema. „Der Fragebogen war in einer halben Stunde leicht ausgefüllt“, meint ein Tiroler Urologe. Dieser Meinung schlossen sich die meisten befragten Ärzte an.
Kritik üben manche allerdings an der Art der Fragen. Ein Linzer Urologe meint, die Fragen seien schwammig formuliert. Ein anderer Kollege spricht von Problemen beim Ausfüllen der Ausstattungsliste, da diese je nach Bundesland unterschiedlich sei. Ein steirischer Arzt findet es „manchmal schwer, ehrlich zu bleiben“.
Ganz ohne Gegenstimmen bleibt die Praxisevaluierung aber auch nach ihrer Einführung nicht. Prof. Dr. Gero Hohlbrugger aus Dornbirn gehört zu den wenigen, die diese Maßnahme für unnötig halten. „Es reicht, jene Kollegen zu kontrollieren, die auffällig werden“, meint er. Und „wenn einer nichts taugt, gehen die Patienten ohnehin nicht mehr zu ihm“.
Prof. Dr. Peter Petritsch von der Univ.-Klinik für Urologie in Graz betrachtet eine objektive Qualitätssicherung als angebracht und verweist auf das steirische Modell, bei dem etwa zweimal jährlich niedergelassene Kollegen an die Universität Graz geladen werden, um über die Qualität der medizinischen Behandlung zu diskutieren. Der Fragebogen ist in seinen Augen stark an der Ausrüstung orientiert, bietet aber in diesem Bereich einen guten Überblick. Die Qualität der medizinischen Behandlung würde allerdings durch diesen Fragebogen nicht kontrolliert.

Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 30/2006

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