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Gesundheitspolitik 18. Juli 2006

Innovative Diabetes-Prävention

Über 2.000 Niederösterreicher mit Diabetesrisiko werden im Rahmen einer Studie untersucht. Die Allgemeinmediziner in den einzelnen Regionen sind ein wichtiger Motor des Projekts.

Mitte Mai fiel der Startschuss für ein groß angelegtes Forschungsprojekt der Europäischen Union auch in Niederösterreich. Unter dem Titel „Diabetes NO(E)“ wird sich dieses Bundesland an dem EU-Projekt beteiligen, in das 20 Länder eingebunden sind.

Donau-Uni Krems koordiniert

„Die Hälfte der Diabetiker leiden bereits zum Zeitpunkt der Dia-gnose unter Folgeschäden, zudem steigt die Zahl der Neuerkrankungen weltweit rasant an“, unterstreicht Prof. Dr. Michael Brainin die Wichtigkeit von Prävention und Früherkennung. Er ist Leiter des Departments für Klinische Medizin und Präventionsmedizin an der Donau-Universität-Krems, das für einen zentralen Teil des EU-Projekts verantwortlich ist. Mindestens 2.000 Hochrisiko-patienten, die zwischen 45 und 74 Jahre alt sind, sollen im Rahmen einer Studie über einen Zeitraum von drei Jahren untersucht werden. „Aktuelle Studien aus den USA und Finnland zeigen, dass der Ausbruch von Diabetes in der Hälfte der Fälle verhindert werden kann, wenn Risikopatienten rechtzeitig ihren Lebensstil ändern. Ausreichende Bewegung und fettarme, ballaststoffreiche Ernährung zählen da-bei zu den wichtigsten Schritten“, erklärt Brainin. Eine zentrale Rolle bei dieser Studie kommt auch Allgemeinmedizinern in den Regionen Amstetten, Baden, Gmünd, Krems, Melk und Tulln zu. Sie sind, so Brainin, ein „wichtiger Motor des Projekts“. Die Allgemeinmediziner werden derzeit über das Projekt informiert und dann Probanden für die Studie vorschlagen bzw. die medizinischen Untersuchungen vor Ort weitgehend übernehmen. Sie kooperieren dabei auch mit Sport- und Ernährungswissenschaftern. Über eine Medienkampagne sollen ebenso Probanden angesprochen werden, vorwiegend also Personen, die selten oder gar nicht zu Vorsorgeuntersuchungen gehen. Unter den Probanden entdeckte Diabetiker scheiden aus dem Projekt aus und werden von den Allgemeinmedizinern weiter betreut. „Das Projekt fokussiert somit auf die Behandlung eines Erkrankungsrisikos, auf Vorbeugung in einem frühen Stadium. Dies ist für eine nachhaltige Wirkung entscheidend“, betont Brainin.

Umfassende Betreuung

Den anderen Probanden werden während der dreijährigen Laufzeit regelmäßige, kostenlose Workshops angeboten, sie bekommen außerdem schriftliche Informationen über Fitnessangebote in ihrer Region. Folgende Ziele sollen diese Probanden erreichen: Reduktion des Körpergewichtes um 5% bei Übergewicht, Reduktion des täglichen Fettgehaltes auf maximal 30% der Gesamtenergiezufuhr, Senkung der täglich zugeführten gesättigten Fettsäuren auf maximal 10% der Gesamt­energiezufuhr, Erhöhung des Ballaststoffanteils in der Ernährung auf 30g/Tag und körperliche Betätigung mehr als 4 Stunden pro Woche. Weitere Elemente des Programms sind ein Kalender mit Rezeptvorschlägen sowie Erinnerungs-SMS zu allen Maßnahmen und Untersuchungsterminen. Diese Aktivitäten werden durch Informationen am eigens eingerichteten Internetportal www.diabetes-noe.at unterstützt.

Studienergebnisse sollen präzisere Vorsorge ermöglichen

Die Ergebnisse der Studie sollen schließlich als Grundlage zur Erarbeitung noch stärker zielgerichteter Vorbeugungsmaßnahmen gegen Diabetes und andere Lebensstilerkrankungen dienen. Finanziert wird das Projekt unter anderem von der EU, dem NÖGUS, der Gebietskrankenkasse und dem Fonds Gesundes Österreich. Als wichtiger Sponsor konnte das Pharmaunternehmen Novo Nordisk gewonnen werden. „So ist etwa die Finanzierung der geplanten Workshops über die gesamte Laufzeit gewährleistet“, freut sich Brainin. Auch in den anderen Projektländern werden die beschriebenen Maßnahmen umgesetzt. „Diese sind von größter gesundheitspolitischer Bedeutung, da die Zahl der Diabeteskranken bis 2010 um 50 bis 100 Prozent ansteigen wird. Manche europäische Länder wenden bereits heute fast ein Fünftel ihrer Gesundheitsbudgets für die Behandlung von Diabetes und seiner Folgeerkrankungen auf“, fasst Brainin zusammen.

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