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Gesundheitspolitik 18. Juli 2006

Heilmittel-Quotenqueen

Im Herbst stehen die Nationalratswahlen an. Wie immer vor Wahlen kocht die Gerüchte-Küche über: Wer kommt? Wer geht? Die Ärzteschaft hat sich kaum darum gekümmert. War doch das Gesundheitsressort bislang keinem Regierungschef wirklich wichtig. Minister und Staatssekretäre wechselten. Die Reihe der Namen ist lang, die Taten der Amtsinhaber unspektakulär. Kein Wunder, dass man sich gar nicht so recht zu erinnern vermag. Jahrzehntelang wurschtelte man sich durch ASVG- und Ärztegesetz-Novellen. Ebenso lange ist man auf der Suche nach neuen Organisationsstrukturen. Namen wurden kreiert wie KRAZAF, ÖBIG, Bundesgesundheitsagentur usw. Das eigentliche Problem mit der Finanzierung konnte jedoch nicht zufrieden stellend gelöst werden. Wenn man bei all den ministerlichen Anstrengungen nicht den erwarteten Dank zu ernten vermag, Jubelrufe bei der Bevölkerung ausbleiben und das Rating in der Presse enttäuschend ist, kann ein Ressortwechsel ganz schön praktisch sein. Dieser Gedanke dürfte auch der Bundesministerin für Gesundheit und Frauen-Angelegenheiten gekommen sein. Da ihre Kollegin aus dem Bildungsressort noch weniger Anklang zu finden scheint und ihr jenes Flair, das bei einer Wahl Stimmen bringt, völlig abhanden gekommen sein dürfte, drängt sich eine Rochade geradezu auf. Frau Bundesministerin Rauch-Kallat, so hört man aus gewöhnlich gut informierten Kreisen, könnte sich einen Umzug in ein Büro am Minoriten-Platz gut vorstellen. Doch Vorsicht! Man sollte sich nicht zu früh freuen. Erstens unterstehen doch dem Bildungsressort die medizinischen Universitäten und zweitens weiß man nicht, was nachkommt. Da gibt es – Schüssel sei Dank – gerüchteweise schon einen wirklich tollen Lösungsansatz: Frau Dr. Vera Russwurm wird als Neo-Gesundheitsministerin gehandelt. Bestens bekannt aus dem Fernsehen, könnte sie dem Lockruf, in die Politik zu wechseln, gerne folgen. Sinkende Seherzahlen bei „Primavera“ könnten ihr den Abschied vom ORF leicht fallen lassen, zumal sie uns ja als Gesundheitsministerin Doktor Russwurm dank ihrer Talk-Queen-Fähigkeiten auf der Mattscheibe erhalten bleiben würde. Die Frage ist, ob sich Schüssel – umgeben von den Quotenhaschern Grasser & Russwurm – dann noch wohl fühlen kann. Angesichts deren medialer Präsenz könnte sein Ego so stark unter Druck kommen, dass er dann Hilfe brauchen könnte. Da können wir ihm nur raten: Fragen Sie einen Arzt oder Apotheker – solang es sie noch gibt.

Dr. Wilhelm Hans Appel, Ärzte Woche 28/2006

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