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Gesundheitspolitik 27. Juni 2006

Tiroler Ärztekammer plant Kassenaustritt im Herbst

Die „administrative Überforderung“ der Ärzte durch die Gesundheitsreform könnte in Tirol Ende September zur Vertragskündigung führen.

Falls sich die Arbeitsbedingungen für niedergelassene Ärzte in Tirol bis Herbst nicht verbessert haben, will die Tiroler Ärztekammer stunden- und tageweise medizinische Versorgungseinrichtungen schließen. Dies hat der Präsident der Ärztekammer, Dr. Arthur Wechselberger, bei einer Pressekonferenz vergangene Woche angekündigt. Außerdem werde er dann am 30. September alle Kassenverträge des Landes kollektiv kündigen. Basierend auf einer Ärzte-Umfrage warnte er vor einer „negativen Entwicklung im Gesundheitswesen“. Alle 1.300 niedergelassenen Kassenärzte des Landes seien bei der Studie befragt worden. „Probleme, die früher nur punk-tuell vorhanden waren, haben nun Grade erreicht, die das Arbeiten unerfreulich machen. Unter diesen Umständen kann man als Arzt nicht mehr tätig sein“, meinte Wechselberger. Die Gesundheitsreform würde den Doktor zu einem „Papierschreiber“ degradieren. Die Reform hätte durchaus gute Ansätze und ein „Reformstau“ wäre gegeben gewesen. Aber die Umsetzung stelle ein Problem dar. Außerdem mangle es dabei an Konsequenz. Die Reform gebe Ärzten keine Hilfestellung. Besonders im rechtlichen Bereich würden sie oft „in der Luft hängen“. Für den Kurienobmann der Kurie niedergelassener Ärzte, Dr. Momen Radi, wäre das alles bei entsprechender Entlohnung noch erträglich, aber stattdessen würden die Ärzte noch mit finanziellen Einbußen bestraft werden. „Den Letzten beißen die Hunde. Das sind in diesem Fall die Ärzte“, sagte Radi. Als „Begleitmaßnahmen zur Gesundheitsreform“ fordert die Ärztekammer zeitgemäße Arbeitsbedingungen, die Einführung eines Facharztes für Allgemeinmedizin, einen Bereitschaftsdienst rund um die Uhr und Einführungen neuer Kassenleistungen. Geld dafür sei laut Wechselberger vorhanden: „Bei politischen Entscheidungen spielt Geld nie eine Rolle. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt. Die Frage ist, wo setze ich die Prioritäten? In der medizinischen Versorgung der Bevölkerung – oder kaufe ich dafür einen Abfangjäger?“

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