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Gesundheitspolitik 14. Juni 2006

Facharzt für Allgemeinmedizin in zwei Jahren

In der jüngst unterzeichneten Ausbildungsordnung fehlt er noch, der Facharzt für Allgemeinmedizin. Bis zur nächsten Novelle soll aber alles klar sein.

„In seiner derzeitigen Form entspricht der Turnus nicht mehr den aktuellen Gegebenheiten“, sagte der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM), Dr. Erwin Rebhandl, bei einer Pressekonferenz in Wien. „Auch die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin wird der vom ersten Praxistag an geforderten qualitätsgesicherten Arbeit nicht mehr gerecht.“ Innerhalb der EU ist die Ausbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin heute in den meisten Ländern Standard. Die Dauer variiert allerdings stark, sie dauert je nach Land zwischen zwei und sechs Jahren. Im Schnitt müssen davon eineinhalb Jahre in einer Praxis für Allgemeinmedizin absolviert werden. Eine Arbeitsgruppe rund um die ÖGAM will in den kommenden beiden Jahren ein Konzept erarbeiten, um den Facharzt für Allgemeinmedizin fix in der Ausbildungsordnung zu etablieren. „Das Berufsbild des Allgemeinmediziners hat sich verändert, die Ausbildung muss diesen Veränderungen Rechnung tragen“, zeigte sich Rebhandl überzeugt. Verpflichtender Bestandteil der allgemeinmedizinischen Ausbildung ist die Lehrpraxis. Dafür sollen ab Herbst 2006 elf Millionen Euro jährlich aus dem Reformpool des Gesundheitsministeriums zur Verfügung gestellt werden.Allgemeinmedizin gehört zu den schwersten medizinischen Richtungen überhaupt“, hielt der Vorstand des Instituts für Allgemein-, Familien- und Präventivmedizin an der medizinischen Paracelsus-Privatuniversität Salzburg, Prof. Dr. Andreas Christian Sönnichsen, in seinem Statement fest. „Die Kunst des Allgemeinmediziners ist es, tatsächlich jene Patienten herauszufiltern, die die Hilfe eines Spezialisten benötigen.“ Dies erfordere ein breites Wissen quer durch alle medizinischen Disziplinen.

Umfangreiche Kompetenzen

Sieben Kernkompetenzen definierte der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, Franz Bittner, für den Allgemeinmediziner der Zukunft: „Dazu gehört die Koordinationskompetenz ebenso wie die Kommunikationskompetenz.“ Dazu kommen laut Bittner auch eine Telematikkompetenz, Stichwort elektronisches Rezept, ABS und elektronische Befundübermittlung. Nicht zuletzt spielen die psychosoziale Kompetenz, die Arbeit mit älteren Patienten und eine Kompetenz für Disease-Management in Zukunft eine immer wichtigere Rolle. „Zusätzlich muss der Facharzt für Allgemeinmedizin ein breites integratives medizinisches und pharmakologisches Wissen haben“, erläuterte Bittner.

Team soll Vorschlag erarbeiten

Die dreijährige Turnusausbildung reicht für dieses umfangreiche Wissensgebiet schon lange nicht mehr. Deshalb fordern ÖGAM, Ärztekammer und der Hauptverband der Sozialversicherungsträger die fixe Etablierung des Facharztes für Allgemeinmedizin in der Ausbildungsordnung. Ein Kompetenzteam rund um die ÖGAM soll in den kommenden beiden Jahren einen Vorschlag erarbeiten, wie der neue Facharzt so rasch wie möglich etabliert werden kann. Zwei Jahre wird es allerdings mindestens dauern, bis der einzige Nicht-Facharzt Allgemeinmediziner zum Spezialisten mutiert und in der Ausbildungsordnung festgeschrieben wird. Die Gründe dafür nennt Hon.Prof. Dr. Robert Schlögel vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen: „Die Etablierung eines Facharztes für Allgemeinmedizin umfasst zahlreiche Facetten. Nicht zuletzt muss dafür eine Reihe von Gesetzen geändert werden.“

Sicht des Ministeriums

Schlögel unterstützt namens des Gesundheitsministeriums den neuen Facharzt, fordert allerdings eine Umsetzung auf Basis eines entsprechenden Projektmanagements. „Aus Sicht des Ministeriums könnte der Start des Projektes ‚Facharzt für Allgemeinmedizin’ im Juni 2006 erfolgen“, so Schlögel. Spätestens in zwei Jahren stünde sie dann erneut an: Die Novelle der Ausbildungsordnung.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 24/2006

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