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Gesundheitspolitik 14. Juni 2006

Mobilfunk im Visier der Vorsorge

Die bisher in Österreich zum Schutz der Gesundheit gegenüber elektromagnetischen Feldern getroffenen Maßnahmen sind aus Sicht der Umweltmedizin-Referate nicht ausreichend.

„Objektiv und vorsorgeorientiert“ lautet die Prämisse der Umweltmediziner in der Beurteilung von Studien und Beobachtungen zu Fragestellungen in Bezug auf Mobilfunk und Gesundheit. Im Mittelpunkt der Aktivitäten steht die Risikominimierung, „zu der bei der Nutzung der Mobilfunktechnologie jeder persönlich beitragen kann“, sagt Dr. Erik Huber, Umweltreferent der Ärztekammer für Wien.

Seit Jahren am Ball

In den Reihen der heimischen Umweltmediziner beschäftigen sich einige seit Jahren vorwiegend mit dieser Thematik und beraten auch die Ärztekammern. Als ein Ergebnis dieser Aktivitäten verabschiedeten im November 2005 die Referate für Umweltmedizin der Landesärztekammern und der Österreichischen Ärztekammer die Resolution „Gesundheitsrisiko Mobilfunk“. Darin wird unter anderem empfohlen, Standards zur Abklärung von möglichen Zusammenhängen zwischen der Exposition gegen­über elektromagnetischen Feldern (EMF) und Gesundheit zu erarbeiten. Weiters regen die Umweltmediziner an, ein nationales Forschungsprogramm mit den Schwerpunkten Inzidenz- und Interventionsstudien sowie Abklärung von örtlichen und zeitlichen Krankheitsverläufen einzurichten. Die Erarbeitung und Umsetzung eines Bildungs- und Präventionsplans steht ebenso in der Resolution wie der Aufbau von Melde- und Beratungsstellen zu EMF-bezogenen Beschwerden bei den Landesbehörden. Den politisch Verantwortlichen empfehlen die Umweltmedizin-­Referenten, ein Gesetz zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung unter Berücksichtigung des Vorsorgeprinzips, des Schutzes bei Langzeitexposition und des Schutzes besonders empfindlicher Gruppen zu erarbeiten und zu verabschieden. Auch die Ärzteschaft sollte ihren Beitrag leisten und im Bereich der Erkennung und Prävention EMF-bezogener Krankheitsbilder verstärkt Aus- und Fortbildung anbieten. Im Gegensatz zu den Umweltmedizinern hält der Wissenschaftliche Beirat Funk (siehe ÄRZTE WOCHE Nr. 23 vom 7. Juni) den Schutz der Bevölkerung angesichts der aktu­ellen Datenlage für ausreichend: Werden die Grenzwerte für elektromagnetische Felder beim Mobilfunk eingehalten, bestünde keine Gefahr für den Menschen. Diesen Standpunkt teilt der Wiener Umweltmedizin-Referent Huber keinesfalls für Kinder, „die das höchste kumulative Risiko haben“. Deshalb entschloss sich die Wiener Ärztekammer vergangenes Jahr zu einer Plakataktion in den Ordina­tionen. „Handys haben für Kinder einen großen Nutzen, zum Beispiel wenn sie dringend Hilfe brauchen“, stellt Huber außer Frage. Für lange Gespräche sollten sie aber vorwiegend das Festnetz verwenden, ganz abgesehen davon, dass Handys auch eine Schuldenfalle seien.

Plakataktion in Wien

Die Plakataktion „10 medizinische Handy-Regeln“ will Huber als Beitrag zur Risikominimierung verstanden wissen: „Wir wissen nicht, wie sich die spezifische Absorptionsrate bei Kindern verhält, weil es dazu keine Studien gibt. Aufgrund des höheren Risikos bei ionisierender Strahlung liegt dieser Schluss aber nahe.“ Aus Sicht der Umweltmedizin könne man aufgrund der Evidenz jedenfalls nicht mehr sorglos mit Mobiltelefonen umgehen.HH n

Die ÄRZTE WOCHE veranstaltet zum Thema „Mobilfunk und Gesundheit“ eine Podiums-Diskussion am 19. Juni. Nähere Informationen finden Sie hier.

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