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Gesundheitspolitik 7. Juni 2006

Professoren-Initiative in der Präventivmedizin

Im Frühjahr 2006 wurde SIPcan vorgestellt. Diese neue Initiative zur Vorsorgemedizin geht von einem Netzwerk von Universitätsprofessoren aus.

SIPcan steht für „Special Institute for Preventive Cardiology and Nutrition“. Die geplanten Projekte sollen zur Prävention von Diabetes, Fettleibigkeit, Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. „Theoretisch scheinen wir hier ja alles zu wissen“, sagt Dr. Alexander Dzien, Innsbrucker Internist und Mitglied von SIPcan. „Was aber nutzt dieses Wissen, wenn sich in allen angesprochenen Bereichen die Gesundheitswerte weiter drastisch verschlechtern?“ Die Zunahme der Lebensstilerkrankungen ist mit enormen ökonomischen Kosten verbunden, die nur durch präventive Maßnahmen verhindert werden könnten. Aus eigenen Studien weiß Dzien, dass ältere Menschen, die regelmäßig Sport treiben, im Monat um 18 Euro weniger an Medikamentenkosten verursachen. „Sowohl in dieser Hinsicht als auch in der Förderung von Bewegung vom Jugendalter an geht es um gewaltige Summen, die wieder in gezielte Präventionsprogramme fließen könnten“, unterstreicht der Internist.

Regionale Spezifika erheben

Der präventivmedizinische Ansatz von SIPcan geht zunächst davon aus, dass es zwar sehr gute und aktuelle globale Zahlen etwa zu Adipositas gibt, oft aber regionale Daten fehlen. Deshalb sollen etwa 3.000 Personen aus ganz Österreich in eine Studie einbezogen werden, bei der nicht nur Gesundheitsdaten erhoben werden, sondern auch der Status bezüglich Bewegung und Ernährung. Das Herausfiltern von regionalen Unterschieden sowie spezifischen Zielgruppen ist Teil dieser Studie. Daraus wird auch ein „1. Österreichischer Adipositasbericht“ entstehen, in dem alle Therapieprogramme für übergewichtige Kinder und Jugendliche erhoben werden sollen.

Von Kranken „profitieren“

Über bereits Erkrankte einen neuen Zugang zu (noch) Gesunden zu schaffen, ist ein weiterer Ansatz von SIPcan. So wird beispielsweise in Tirol ein Projekt starten, das in Kooperation mit Selbsthilfegruppen Angehörige von Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen anspricht. „Gerade bei diesen ist das Risiko, ähnliche Symptome zu entwickeln, höher bzw. eine gewisse Grundbereitschaft vorhanden, sich mit Gesundheitsvorsorge intensiver auseinander zu setzen“, erklärt Dzien. Konkret umgesetzt wird dieses Ziel zunächst mit dem Projekt „Stopp den Herztod in der Familie“ in Salzburg. Ein besonderes Anliegen der SIPcan-Ärzte ist, Studiendaten für eine interdisziplinäre Zusammenschau zu nutzen. Zu diesem Zweck sollen Allgemeinmediziner mit ihrem breiten Wissen einbezogen, ihnen aber auch Ergebnisse zur Verfügung gestellt werden. Ebenso könnten Daten aus der Sozial-, Sport- und Ernährungswissenschaft in die Analysen einfließen. Mit Sponsorgeldern ausgestattet und unter der Schirmherrschaft von Dr. Hannes Androsch plant SIPcan auch Projekte zur Präven-tion mit Ernährung und Bewegung in Kindergärten und Schulen. Diese sollen alle Zielgruppen von SchülerInnen über PädagogInnen bis zu Eltern einbinden. Aktivitäten sind des Weiteren im Umfeld der betrieblichen Gesundheitsförderung geplant.

Informationen im Internet: www.sipcan.at

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