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Gesundheitspolitik 7. Juni 2006

Mobilfunk ist seit zwei Jahren Expertensache

Werden die Grenzwerte für elektromagnetische Felder beim Mobilfunk eingehalten, besteht keine Gefahr für den Menschen, so das Expertengremium.

Diffuse Beschwerden wie etwa Stress, Müdigkeit und Schlafstörungen werden häufig auf Emissionen von Mobiltelefonen und Sendeanlagen, den „Handymasten“, zurückgeführt. Ebenfalls seit einigen Jahren werden Auswirkungen auf das ZNS und eine eventuelle Karzinogenität der Mobilfunkstrahlung diskutiert. Um festzustellen, ob diesen Befürchtungen eine reale Gefahr zugrunde liegt, wurde im Februar 2004 vom damaligen Infrastrukturminister Hubert Gorbach der Wissenschaftliche Beirat Funk (WBF) ins Leben gerufen. „Wir haben die Aufgabe, Studien einer wissenschaftlichen Prüfung zu unterziehen und zu einer Meinungsbildung hinsichtlich der Frage einer gesundheitlichen Gefährdung durch elektromagnetische Felder des Mobilfunks zu kommen“, erklärt WBF-Vorsitzender Prof. Dr. Norbert Vana, Strahlenschutzexperte an der TU Wien.

Konsensus aus dem Jahr 2005

Vergangenes Jahr zog das Expertengremium wieder ein Zwischenresümee seiner bisherigen Arbeit. In der heiklen Thematik Mobilfunk und Tumorentwicklung konnte der WBF in den großen, sorgfältig geplanten und durchgeführten Stu-dien keinerlei Anhaltspunkte für Zusammenhänge zwischen dem Gebrauch von Mobiltelefonen und Akustikusneurinomen finden. Weiters sei aufgrund der vorliegenden wissenschaftlichen Daten mit großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen, dass der Gebrauch von Mobiltelefonen mit einem erhöhten Risiko von malignen Neoplasien einhergeht. Dennoch empfiehlt der WBF, „mit den heute in Verwendung stehenden Mobilgeräten weitere sorgfältige wissenschaftliche Studien zur Frage der Tumorentwicklung zu betreiben“. Dass Störungen der Befindlichkeit durch elektromagnetische Felder nicht als gesichert betrachtet werden können, hat schon die Konsensus-Konferenz 2004 ergeben. „In dieser Frage brachte die Literaturrecherche von 2004 bis September 2005 keine neuen Erkenntnisse“, stellte der WBF fest. Explizit wiesen die Experten darauf hin, dass Studien zu dieser Fragestellung durchwegs mangelnde Qualität aufweisen. „Wir konnten auch keine Veränderung der kognitiven Fähigkeiten finden“, stellte der stellvertretende Vorsitzende des WBF, Prof. Dr. Christian Wolf von der klinischen Abteilung für Arbeitsmedizin an der Medizinuniversität Wien, schon 2004 fest. Bezogen auf die Dauer der Exposition beim Telefonieren mit dem Handy legte der WBF-Konsensus 2005 fest, dass „bei durchgehender Exposition von maximal einer halben Stunde Einflüsse auf kognitive Fähigkeiten nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ausgeschlossen werden können“. Trotz der eindeutigen Ergebnisse des Expertengremiums wird das Thema Mobilfunk und Gesundheit in der Ärzteschaft kontroversiell diskutiert. „Nach etwas mehr als zehn Jahren sei eine abschließende Bewertung dieser neuen Technologie riskant“, geben unter anderen Umweltmediziner zu bedenken. Für den WBF Steht fest: Angesichts der aktuellen Datenlage ist der Schutz der Bevölkerung ausreichend.HH n

Die ÄRZTE WOCHE veranstaltet zum Thema „Mobilfunk und Gesundheit“ eine Podiums-Diskussion am 19. Juni. Nähere Informationen finden Sie hier.

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