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Gesundheitspolitik 1. Juni 2006

Handymasten können Kopfschmerzen machen

Beschwerden der Studienteilnehmer lassen kausalen Zusammenhang vermuten, so die Studienautoren. Auch in Deutschand läuft eine Studie.

 Podiumsdiskussion

In den letzten zehn Jahren wurden in Österreich Tausende Handymasten hochgezogen. Zu den Auswirkungen der Emissionen von Mobilfunk-Basisstationen auf Wohlbefinden, Schlaf und Denkleistungen haben nun Wissenschaftler des Instituts für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien eine Studie durchgeführt. Diese ergab, dass verschiedene Symptome, z.B. Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten, mit der Strahlungsintensität der Basisstation zunahmen. In der Untersuchung von DI Dr. med. Hans-Peter Hutter und Kollegen (siehe Fußnote) wurde versucht, die zahlreichen methodischen Probleme, die mit der Frage der Auswirkungen von Basisstati-onen verbunden sind, zu lösen. Mittels computerisierter Vorgabe von erprobten Fragebögen und Leistungstests sowie von Messungen der hochfrequenten elektro-magnetischen Felder in den Schlafräumen von 336 Personen, die in der Nähe von zehn ausgewählten Basisstationen in Wien und Kärnten leben, sollte eine möglichst objektive Erfassung erzielt werden.

Messung in Schlafräumen

Es zeigte sich, dass in den Schlafräumen die Immissionen hochfrequenter Felder zwischen 80 Megahertz und 2 Gigahertz (dieser Bereich schließt Radio, Fernsehen und Mobilfunk ein) relativ niedrig waren. Der höchste gemessene Wert war mit 4,1 mW/m² um mehrere Größenordnungen geringer als die Richtwerte der ÖNORM (niedrigster Wert in diesem Frequenzbereich: 2.000 mW/m²). In der Nähe von Basisstationen überwog mit durchschnittlich 73 Prozent der gemes-senen Strahlung (so genannte Leistungsflussdichte) der Beitrag des Mobilfunks.Nur eine Minderheit äußerte erhebliche Befürchtungen über nachteilige Auswirkungen von Handymasten auf die Gesundheit (5% im ländlichen und 10% im städtischen Gebiet). „Unter Berücksichtigung von verschiedenen Störgrößen zeigte sich in dieser Querschnittsstudie, dass einige selbst berichtete Symptome, z.B. Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten, mit den gemessenen Leistungsflussdichten der Basisstation assoziiert sind“, berichtet Hutter. „Vieles spricht dafür, dass es sich dabei um einen kausalen Zusammenhang handelt. Wir sind schon gespannt, ob die derzeit in Deutschland laufenden großen Studien diese Ergebnisse bestätigen.“ Auch eine Beeinflussung der Schlafqualität erscheine möglich. Die aktuelle Untersuchung wurde in der Maiausgabe von „Occupational and Environmental Medicine“ veröffentlicht. „Unsere Ergebnisse sind ein weiteres Indiz dafür, dass bei der Errichtung von Basisstationen eine an der Vorsorge orientierte Vorgehensweise gefordert werden muss“, betont Hutter. „Die Empfehlung des Obersten Sanitätsrates, hinsichtlich der Mobilfunk-Strahlenbelastung nach dem Minimierungsprinzip vorzugehen, sollte daher oberstes Prinzip bei der Planung der Mobilfunknetze sein.“ Finanziert wurde die Studie von der Stadt Wien und der Kärntner Landesregierung.HH n

Originalarbeit: Hutter HP, Moshammer H, Wallner P, Kundi M (2006): Subjective symptoms, sleeping problems and cognitive performance in subjects living near mobile phone base-stations. Occupational and Environmental Medicine 63(4):307-313.

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