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Gesundheitspolitik 18. Mai 2006

Medizin studieren in der Ordination

Für Medizinstudenten in Innsbruck heißt es schon bald: „Ab in die Praxis.“ In den letzten beiden Semestern soll der Alltag medizinischer Grundversorgung nicht mehr nur Theorie bleiben.

Seit vier Jahren ist Allgemeinmedizin ein eigenes Fach an der Medizinischen Universität Innsbruck. Insgesamt haben dort 17 Tiroler Allgemeinmediziner Lehraufträge. „Schon das allein ist ein wichtiger Beitrag dazu, die medi-zinische Ausbildung praxisbezo-gener zu gestalten“, betont Dr. Peter Kufner, Präsident der Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin.

Vier Wochen Praktikum bei Allgemeinmediziner

Ab dem Wintersemester 2007 auf 2008 ist vorgesehen, dass Studenten in den letzten beiden Semestern ein „Praktikum“ in verschiedenen Fachgebieten absolvieren, davon vier Wochen Allgemeinmedizin bei Hausärzten in ganz Tirol. „Der Unterschied zur Lehrpraxis im Rahmen des Turnus ist“, so Kufner, „dass die Lehre stärker im Vordergrund steht.“ So werden die Allgemeinmediziner auch Grundwissen vermitteln und die Studenten Schwerpunkte zu Themen wie Nachsorge nach Herzinfarkt, Vorsorge von Hypertonie oder Betreuung von Menschen mit psychischen Krankheiten behandeln. Gemeinsam wird dann zu diesem Thema eine Gruppenarbeit erstellt. „Dieses Konzept stellt eine enorme Aufwertung und gleichzeitig eine Aufgabe und Verantwortung für die Allgemeinmedizin dar“, betont Kufner. „Das Allgemeine in der Medizin geht alle Ärzte an, egal welche Fachrichtung sie später wählen.“ Unklar ist allerdings noch, ob die universitäre Lehrpraxis verpflichtend sein wird bzw. wie die Lehrenden honoriert werden. Kufner: „Es wird zwar als Lehrveranstaltung gelten, die Universität hat allerdings zu wenig Mittel für die adäquate Honorierung der teilnehmenden Ärzte. Das Projekt braucht sicher Unterstützung von Seiten des Gesundheitsministeriums.“ Die Initiatoren erwarten sich als absolutes Minimum einen Kostenersatz von 330 Euro pro Student pro Monat. Wird die universitäre Lehrpraxis verpflichtend, sind mindestens 40 Allgemeinmediziner erforderlich, die bereit sind, Studenten vier Wochen lang zu unterrichten. „Je mehr sich melden, desto weniger Aufwand je Ordination“, sagt Kufner. „Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass Patienten und die Mitarbeiter der Ordination sehr positiv auf diese Neuerung reagieren und Studenten eine Bereicherung des Praxisalltags darstellen.“

Probleme hautnah erleben

Das Tiroler Projekt hat im Licht der ständigen Diskussion um Verbesserungen bei den Nahtstellen durchaus Berechtigung. Einerseits wird damit der direkte Kontakt zum Patienten und zum Alltag einer Ordination gefördert. Andererseits sind die positiven Aspekte, aber auch die Probleme der Ko-operation mit dem extramuralen Bereich hautnah erlebbar. „Das Gelingen des Projektes ‚Neues Curriculum der Humanmedizin‘ in Innsbruck hängt auch von der aktiven Mitwirkung der AllgemeinmedizinerInnen ab“, unterstreicht Kufner. Aus seiner Sicht sollte das Innsbrucker Beispiel in ganz Österreich Schule machen. Gleichzeitig erwartet er sich von Seiten der Gesundheitspolitik generell eine organisatorische und finanzielle Aufwertung der Lehrpraxis: „Es reicht nicht, nur davon zu sprechen, wie wichtig die Praxis für die Ausbildung der Mediziner ist. Wir brauchen verlässlich verfügbare Mittel für Lehrpraxen.“

Weitere Informationen: Ärztekammer
für Tirol, Fax 0512/520-58-130,
e-Mail:

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