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Gesundheitspolitik 18. Mai 2006

Ärztekammer fordert Abbau der Bürokratie

Vor allem der Erstattungskodex macht den Ärzten in der Praxis das Leben schwer. Auch Spitalsärzte sollen sich mittlerweile daran halten. Jetzt ist das Maß des Erträglichen mehr als voll.

Allein seit dem Jahr 2002 sind 211 Seiten an neuen Gesetzen und Verordnungen in Kraft getreten, welche die Tätigkeit der österreichischen Ärzteschaft betreffen. Diesen Papierstapel legte Dr. Reiner Brettenthaler, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), bei einer Pressekonferenz vergangene Woche in Wien auf den Tisch. „Die E-Card hat zu keiner Entlastung geführt. Mit den Arzneimittelbewilligungen sind Patienten und Ärzte zu Bittstellern im System geworden“, zählte Brettenthaler auf und legte noch eines nach. „Das Automatische Arzneimittelbewilligungs-Service, kurz ABS, wird ebenfalls zu keiner Entlastung in der Praxis führen.“ Für Dr. Günther Wawrowsky, Geschäftsführender Obmnn der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte, sollte dringendst der Erstattungskodex des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger vereinfacht und praktikabler gemacht werden: „Die Boxen im Erstattungskodex wurden nach reinen ökonomischen Kriterien gefüllt.“ So lange der Erstattungskodex für Arzneimittel durch die Krankenkassen und die entsprechende Verordnung nicht geändert würden, sei auch das ab 1. Juli vorgesehene ABS nicht praktikabel. Schon im Probebetrieb hätten sich zahlreiche Mängel gezeigt.

Hoffen auf Gehör, sonst ...

Die Standesvertreter hoffen darauf, dass ihr Aufschrei in Gesundheitsministerium und Hauptverband Gehör findet. Sollte dies bis Sommerbeginn nicht der Fall sein, werde man allen Koleginnen und Kollegen empfehlen, beim ABS ab 1. Juli 2006 nicht mitzumachen. Das Dreiecks-Ping-Pong-Spiel rund um die Arzneimittelverschreibungen nahm Dr. Harald Mayer, Obmann der ÖÄK-Bundeskurie der angestellten Ärzte, ins Visier. Viele Patienten verlassen das Spital mit einem ausgeklügelten Medikamenten-Regime, doch der niedergelassene Arzt darf die notwendigen Medikamente nicht verschreiben, weil es günstigere Ersatzpräparate gibt. „Wenn wir uns wirklich unser Gesundheitswesen nicht mehr leisten können, sollen es uns die Politiker sagen“, forderte Mayer.

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