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Gesundheitspolitik 9. Mai 2006

Initiative für „Medizin mit Seele“

Die anhaltenden Diskussionen über Finanzierbarkeit und mögliche Einsparungspotentiale bergen unter anderen die Gefahr, dass der „menschliche Faktor“ in der Medizin zu kurz kommt. Die Vinzenz-Gruppe will mit einer Initiative dagegen halten.

„Es wird viel über Bettenzahlen philosophiert und kaum darüber, was Menschen, die in einem Spital oder bei niedergelassenen Ärzten Unterstützung suchen, wirklich brauchen“, bedauert Dr. Michael Heinisch, der gemeinsam mit Sr. Josefa Michelitsch die Geschäfte der Vinzenz-Gruppe führt. Die kürzlich vorgestellte Initiative „Medizin mit Seele“ soll vermitteln, wie Zuwendung konkret aussehen kann. Dafür wurde eine Broschüre herausgegeben und ein Internet-Portal (www.medizinmitseele.at) geschaffen, auf dem jeder seine Unterstützung bekunden kann.

Bekenntnis zur Kooperation

Ordensspitäler nehmen in der Patientenversorgung einen unumstrittenen Platz ein. Dabei setzten sie zunehmend auf Kooperation mit anderen Einrichtungen des Gesundheitssystems. „Die weitere Finanzierbarkeit ohne Leistungs-reduzierung für Patienten ist eine der großen aktuellen Herausforderungen“, so Heinisch. Auch die Vinzenz-Gruppe arbeitet daran, Potenziale zu nutzen. „Im Krankenhaus in Ried haben wir z.B. eine Tagesklinik für Augenheilkunde. Auch Patienten begrüßen es, wenn sie nicht über Nacht im Spital bleiben müssen“, berichtet Heinisch. Pläne bestehen außerdem für den Ausbau des Ambulanzbereiches. Ein Beispiel für Strukturen im extramuralen Bereich, in denen niedergelassene und angestellte Ärzte eng zusammenarbeiten, ist das „St. Vinzenz-Diagnosezen-trum“. In dieser Einrichtung neben dem Spital in Ried sind auch niedergelassene Fachärzte eingemietet. Die enge Kooperation mit niedergelassenen Ärzten hat für Heinisch grundsätzlich einen hohen Stellenwert. Diesbezüglich hofft er auf positive Impulse aus Projekten des Reformpools. Eigeninitiative setzt die Vinzenz-Gruppe mit der regelmäßigen Befragung von Zuweisern, bei der elektronischen Vernetzung und Verbesserungen im Nahtstellen-Management. Dazu können niedergelassene Ärzte das Informations- und Bildungsangebot der Spitäler nutzen. Gegründet wurde die Vinzenz-Gruppe im Jahr 1995 vom Orden der Barmherzigen Schwestern. „Zum einen reagierte der Orden damit auf die neuen Herausforderungen in der Führung von Krankenhäusern, zum anderen war dies eine Folge der sinkenden Zahl von Ordensschwestern“, erläutert Heinisch. „Damit war dieser Orden ein Trendsetter, denn auch Länder haben die Spitäler in Gesellschaften wie die GESPAG, TILAK, SALK und andere ausgelagert.“ Als nächsten Schritt gründete die Vinzenz-Gruppe gemeinsam mit den Schwestern Salvatorianerinnen die Vinzenz-Gruppe Wien, in die das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien, das ortho-pädische Spital Wien-Speising, das St. Josef Spital sowie das Krankenhaus Göttlicher Heiland eingebracht wurden. Insgesamt beschäftigt die Gruppe heute mehr als 4.500 Mitarbeiter in Wien und OÖ.

Bedarf im Pflegebereich

Mit der Caritas Socialis (CS) wurde in Wien auch ein Pflegeverbund gegründet, unter dessen Dach sich Alten- und Pflegeheime, Sozialzentren sowie die Kindergärten und Horte der CS und der Barmherzigen Schwestern finden. Im Pflegebereich sieht Heinisch großen Bedarf für adäquate Strukturen: „Patienten in internen Stationen könnten zum Teil auch in Pflegeheimen oder Sozialzentren betreut werden. Dies wäre nicht nur billiger, sondern würde auch durch die maßgeschneiderte Berücksichtung der Patientenbedürfnisse die Betreuungsqualität verbessern.“ Trotz ihres Engagements haben es Ordensspitäler in einigen Bundesländern nicht leicht. In Oberösterreich beispielsweise müssen sie vier Prozent des Abganges aus eigener Tasche finanzieren. Heinisch hofft auf konstruktive Lösungen, „weil die Ordensspitäler aus der Gesundheitsversorgung nicht mehr wegzudenken sind“. Primäres Ziel der Vinzenz-Gruppe sei aber nicht Wachstum, sondern die Zuwendung zum Patienten, basierend auf einem christlichen Menschenbild.“

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