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Gesundheitspolitik 9. Mai 2006

Ärztekammer Tirol warnt vor Unfall-Unterversorgung

20 Tiroler Landärzte haben auf Grund einer neuen EU-Vorschrift bereits ihre Röntgenanlagen still gelegt. Die Ärztekammer fordert Maßnahmen von der Bundesregierung.

„Das Angebot von Röntgenanlagen ist gerade in Tirols Ski- und Fremdenverkehrsgebieten – fernab von Spitälern – eine unschätzbare Bereicherung der Infrastruktur“, sagte der Präsident der Tiroler Ärztekammer, Dr. Arthur Wechselberger, bei einer Pressekonferenz vergangene Woche in Innsbruck. Unter den neuen Gegebenheiten hätten Patienten „in medizinisch dünn versorgten Gebieten“ zu leiden. Diese müssten dann ins nächste Krankenhaus transportiert werden. Die neue Qualitätsnorm der EU sieht Standards bei Röntgenanlagen vor, die bei den 154 Tiroler Landärzten „in keinem vernünftigen Verhältnis zwischen Aufwand und Kosten zu erbringen“ seien. 20 Tiroler Ärzte für Allgemeinmedizin hätten ihre Röntgenanlagen bereits stillgelegt, 64 würden diesen Schritt planen. Es gehe nicht um Strahlenschutz, sondern um Nuancen der Bildqualität, erklärte der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte, Dr. Momen Radi. „Es wird eine Bildqualität gefordert, wie sie ein ra-diologisches Zentrum braucht, um Tumore zu erkennen“, sagte er. Solche Qualitätsnormen könnten aber nicht für Täler gelten, in denen hauptsächlich Extremitäten-Röntgen durchgeführt würden. Die Ärztekammer warf der Bundesregierung vor, innerhalb der drei Jahresfrist, in der die Norm direkt anzuwendendes Recht wurde, keine praktikable Lösung gefunden zu haben. Eine ähnliche Ausnahmeregelung wie bei den Zahnärzten soll auch für die Landmediziner geschaffen werden, fordert Wechselberger. Konkret geht es den Tiroler Ärzten um eine nochmalige Verlän-gerung der Frist. „Ein, zwei Jahre Verlängerung wäre sicher möglich“, meint Wechselberger. „Unter einem entsprechenden Basisdruck wird auch der Bund nicht darum herum kommen, sich für den Erhalt einer bisher ausgezeichneten ärztlichen Basisversorgung in den Talschaften unseres Landes einzusetzen.“ Auch für den Tourismus sei die Diagnostik vor Ort ein ganz besonderes Service. Dadurch könnten Verletzungen besser erstversorgt werden.

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