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Gesundheitspolitik 25. April 2006

Aktion barrierefreie Ordinationen in Wien

Barrierefrei in die Arztpraxis. Die Umsetzung dieser Forderung macht in Wien zügige Fortschritte. Ärztinnen und Ärzte zeigen hohe Kooperations­bereitschaft.

Seit kurzem kann man im interaktiven Praxisplan der Ärztekammer für Wien (www.praxisplan.at) Ordinationen auf ihre Messdaten hin abfragen. Behinderte Patienten können so nach Arztpraxen suchen, die ihren jeweiligen Bedürfnissen entgegenkommen. Entstanden ist das Projekt im Zuge der Zusammenarbeit der Wiener Ärztekammer mit der Behindertenberatungsstelle BIZEPS. Bei den Vermessungen haben die Mitarbeiter von BIZEPS ihren Arbeitsschwerpunkt auf die Ordinationen der insgesamt 1.740 Allgemeinmediziner gelegt. Zurzeit können behinderte Patienten auf die Daten von 304 vermessenen Ordinationen zugreifen, 125 davon für Allgemeinmedizin. Letztere befinden sich im 2., 14., 16. und 20. Bezirk. Nachholbedarf gibt es noch im 4. und 7. Bezirk, wo derzeit jeweils nur eine Allgemeinpraxis vermessen werden konnte.

Status quo bei Fachärzten

Hinsichtlich der Fachärzte stechen vor allem die Bereiche HNO mit 16 Vermessungen, Radiologie mit 19, Orthopädie mit 20 sowie Haut- und Geschlechtskrankheiten mit 21 Vermessungen hervor. In den Fächern Plastische Chirurgie, Arbeits- und Betriebsmedizin, Neuropathologie und theoretische/spezielle Fachgebiete konnten (noch) kaum Messdaten erhoben werden (siehe Grafik). Die Kooperation bestand darin, dass die von BIZEPS gesammelten Messdaten über die Zugänglichkeit der Ordinationen in den Praxisplan der Wiener Ärztekammer aufgenommen wurden: Mittels Anklicken des Buttons „Messdaten über Zugänglichkeit der Ordination“ wird ersichtlich, ob zum Beispiel ein Blindenführhund in die Praxis mitgebracht werden kann, die Türen breit genug für Rollstuhlfahrer sind oder ein Behindertenparkplatz vorhanden ist. Für die Ärztekammer ist es damit aber noch nicht getan. „Wir wollen uns auch weiterhin bemühen, in dieser Hinsicht fortschrittlich zu sein“, betont Wiens Ärztekammerpräsident MR Dr. Walter Dorner. Seit kurzem wird den Wiener Ärztinnen und Ärzten bei neuen Niederlassungen empfohlen, in ebenerdige Ordinationen zu ziehen. „Außerdem wollen wir“, so Dorner, „dass Ordinations-Neueröffnungen sich rund um Geschäftsstraßen ansiedeln, weil dort die Infrastruktur passt und die Ordinationen einfacher zu erreichen sind.“

Wien-spezifische Probleme

Weiters möchte die Ärztekammer Standards für eine behindertengerechte Ordination festlegen. Dorner: „Wir werden versuchen, gemeinsam mit Behindertenvertretern generell adäquate Standards für Ordinationen zu schaffen, die auch auf die spezielle bauliche und räumliche Situation in Wien eingehen.“ Die Hauptprobleme in der Bundeshauptstadt, nämlich die veraltete Bausubstanz, beschränkte Um- und Zubaubewilligungen sowie der Denkmalschutz, könnten nur „Schritt für Schritt“ bewältigt werden. Jedenfalls würden Ärztinnen und Ärzte regelmäßig von der Ärztekammer über Fördermöglichkeiten bei behindertengerechtem Umbau informiert werden. Mit einer Sache ist Dorner schon jetzt sehr zufrieden: Der aktuelle Gesamtvertrag mit der Wiener Gebietskrankenkasse zu Einzelordinationen enthält eine Klausel, wonach die Ärztekammer bis Ende 2008 zwölf Prozent der Ordinationen in Wien barrierefrei zu gestaltet hat. Dorner: „Diese Prozentzahl werden wir bis dahin hoffentlich toppen können, denn schon jetzt haben wir in Wien 178 vermessene und als stufenlos zu bezeichnende Ordinationen.“ Auch BIZEPS-Projektleiterin Annemarie Srb-Rössler zeigt sich erfreut über die Ergebnisse der Zusammenarbeit: „Die Wiener Ärztekammer hat das Anliegen erkannt und gemeinsam mit uns an einer Verbesserung der Situation gearbeitet.“ Immer mehr Ärztinnen und Ärzte seien zu einer Vermessung ihrer Ordination bereit, zahlreiche weitere Termine bereits vereinbart. „Wir werden schon bald die 500. vermessene Arztpraxis in Wien präsentieren können“, zeigt sich Srb-Rössler optimistisch zum Fortgang des Projekts.

 Vermessene Ordinationen in Wien

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