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Gesundheitspolitik 25. April 2006

2007: Jahr der Patientensicherheit

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) will sich im kommenden Jahr intensiv um die Vermeidung von medizinischen Risken und Fehlern kümmern. Wie genau, weiß ÖÄK-Präsident Dr. Reiner Brettenthaler zwar noch nicht. Aber er ist zuversichtlich, dass es eine Arbeitsgruppe bis Ende 2007 herausfinden wird.

„Spitäler und Arztpraxen brauchen eine neue Kultur des Umgangs mit Fehlern und Sicherheitsmängeln“, ist Brettenthaler überzeugt. „Dabei wollen wir das Rad nicht neu erfinden, sondern uns bereits erprobter Konzepte bedienen.“ Wichtig sei es, die Fachöffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und Zahlen auf den Tisch zu legen. Bisher gebe es über die Häufigkeiten von Fehlern in der Medizin nur amerikanische Schätzungen. „Und ob man die einfach auf europäische Verhältnisse herunterbrechen kann, weiß ich nicht“, meint Brettenthaler. Für wesentlich hält er auch die Schaffung einer Stelle, bei der Fehler und Beinahe-Fehler anonym gemeldet und anschließend analysiert werden sollen. Diese sollte seiner Ansicht nach in der Ärztekammer angesiedelt sein.

Heikles Thema Datensicherheit

Prof. Dr. Norbert Pateisky, Leiter der Abteilung für klinisches Risikomanagement an der Universitätsfrauenklinik in Wien und einer der Risk-Management-Pioniere in Österreich, hält ein Meldesystem für wichtig: „Was allerdings nicht passieren darf, ist, dass die Datenbank von jemand verwaltet wird, der in irgendeiner Form Disziplinargewalt besitzt.“ Das sei das Ende jedes Reporting-Systems. Am besten sei der Zugang bei den Fachgesellschaften aufgehoben, meint Pateisky.

Lob für Schweizer System

Die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe nimmt seit einiger Zeit am Schweizer „Critical Incident Reporting System“ (CIRS), das auf der Anästhesie am Universitätsspital Basel ihren Ausgang nahm, teil. Das System garantiere absolute Vertraulichkeit. Man könne sogar von einem Internetcafe in New York oder auf den Bahamas Fehler eintragen.

Systemschwächen erkennen

Da an CIRS bereits Fachgesellschaften aus der Schweiz, Österreich und Deutschland teilnehmen, würden alle Meldungen zudem in einem Gesamtpool zusammenfließen. „Es ist nicht einmal möglich zu erkennen, ob ein Eintrag aus Wien, Zürich, Innsbruck oder Berlin stammt“, betont Pateisky. Ziel sei es, aus den Erfahrungen anderer zu lernen und im Idealfall Systemschwächen zu erkennen und zu beheben. Dazu sind regelmäßige Analysen und Rückmeldungen notwendig. Speziell für Hausarztpraxen hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) ein Fehlerberichts- und Lernsystem (www.jeder-fehler-zaehlt.de) eingerichtet. Daran beteiligt sich auch die Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM). Natürlich reicht es nicht, Fehlerquellen zu identifizieren. Die Frage „Was ist zu tun, damit dieser Fehler nicht mehr auftritt?“ kann vor allem in größeren Organisationen nur in Projekten, die das ganze Team mit einbeziehen, behandelt und gelöst werden. Dazu holen sich Spitalsabteilungen gerne Piloten als Berater ins Haus. Denn im Gegensatz zur Medizin verfügt man in der Luftfahrt bereits seit Jahrzehnten über eine konstruktive Risikokultur, die Fehler vermeiden hilft.

Web-Tipps:
www.cirsmedical.org (Computerbasiertes anonymes Critical Incident Reporting)
www.jeder-fehler-zaehlt.de (Fehlerberichts- und Lernsystem für Hausarztpraxen)

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