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Gesundheitspolitik 20. April 2006

Oberösterreich: Hohe Erwartungen in Diabetes-Pass

Nach den guten Erfahrungen mit einem zweijährigen Pilotprojekt bekommen nunmehr alle Typ-2-Diabetiker im Land ob der Enns die Chance, gemeinsam mit ihrem Hausarzt oder Internisten die schleichende Krankheit in den Griff zu bekommen.

„Ein erhöhter Blutzucker tut nicht weh. Genau diese Tatsache macht die Betreuung von Typ-2-Diabetikern oft schwierig“, betont der Allgemeinmediziner Dr. Oskar Schweninger aus Wels. Umso wichtiger sind Maßnahmen zur Prävention und zur vernetzten Behandlung. Ärztekammer und Gebietskrankenkasse in OÖ haben deshalb ein flächendeckendes strukturiertes Betreuungsprogramm für diese Patientengruppe entwickelt. Ausgangspunkt sind die guten Erfahrungen eines zweijährigen Pilotprojekts in diesem Bundesland. Dessen Evaluierung durch das Institut für Gesundheitsplanung hat gezeigt, dass das persönliche Verhalten verantwortungsbewusster wurde und damit auch das subjektive Wohlbefinden gesteigert werden konnte. Die Zahl der für die Betroffenen oft schwerwiegenden Komplikationen und der nötigen Krankenhaus-Aufenthalte ist gesunken. Ein weiterer Effekt ist bei den Ausgaben eingetreten. Pro Jahr und Patient ergaben sich durch das Pilotprojekt Einsparungen von 780 Euro, vor allem im Spitalsbereich.

Schulungen für Ärzte

Wie schon in der Pilotphase, werden sowohl Allgemeinmediziner als auch Fachärzte für innere Medizin eine strukturierte Diabetesbetreuung anbieten. Eng kooperiert wird dabei mit Diätologen im intra- und extramuralen Bereich. Die am Programm teilnehmenden Ärzte werden in speziellen Schulungen weitergebildet. Dabei wird – neben aktuellen Therapieempfehlungen – großer Wert auf die Kommunikation mit den Patienten sowie die Kooperation von Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus gelegt. Schon zum Start des Programms beteiligen sich rund 250 Ärzte, für weitere Kurse liegen Anmeldungen vor.

Was der Patient haben kann

Die Betreuung der Patienten ist umfassend angelegt. Nach einer ausführlichen ersten Untersuchung sind pro Jahr drei Quartalsunter-suchungen und ein umfassender Jahrescheck vorgesehen. Neben der Routine-Kontrolle von Gewicht, Blutdruck, Fußinspektion und Blutwerten werden einmal jährlich auch die Gefäße untersucht, ein EKG sowie eine ausführliche Labor-Untersuchung gemacht und eine augenfachärztliche Untersuchung veranlasst. „Einen hohen Stellenwert hat das persönliche Gespräch mit den Patienten“, berichtet Schweninger. „Dabei werden auch Zielverein-barungen getroffen und deren Einhaltung gemeinsam kontrolliert. Gerade bei Diabetes hat die Eigenverantwortung und Motivation des Patienten zentrale Bedeutung.“ Die Vereinbarungen und alle Werte werden in einem eigenen Diabetes-Pass dokumentiert.

Kontinuierliche Evaluierung

Wie das Pilotprojekt wird auch die strukturierte Betreuung wissenschaftlich evaluiert. Von den 33.000 Patienten mit diagnostiziertem Diabetes sollen 60 Prozent zur Teilnahme am Programm gewonnen und auch Menschen angesprochen werden, deren Krankheit bislang nicht diagnostiziert wurde. Die Kasse rechnet durch das Programm in den ersten vier Jahren mit zusätzlichen Kosten von etwa 1,2 Millionen Euro pro Jahr, danach mit etwa 1,6 Mio. Euro jährlich. Dennoch setzen die Initiatoren auf Einsparpotenziale, die sich im Pilotprojekt deutlich gezeigt haben. Mit der Landesregierung werden Gespräche geführt, um die Zusatzkosten des Betreuungsprojekts gemeinsam zu tragen. Weiters geplant ist der Aufbau eines Diabetesschulungsprogramms für Patienten.

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