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Gesundheitspolitik 11. April 2006

Brustkrebs: Genetische Unter­suchung wird gezahlt

Bund, Gemeinde Wien und Sozialversicherung tragen mit insgesamt 650.000 Euro die Kosten für die genetische Untersuchung von Frauen, die ein erbliches Risiko für Brust- bzw. Eierstockkrebs haben könnten.

Elf Jahre Arbeit eines Teams um Prof. Dr. Teresa Wagner an der Abteilung für Spezifische Gynäkologie am Wiener AKH haben sich gelohnt. Die Finanzierung ihres Projektes ist für drei Jahre gesichert. „In Österreich werden jedes Jahr rund 5.000 Frauen von Brustkrebs getroffen. Fünf bis zehn Prozent gehören zu der Gruppe, bei der das genetisch bedingt ist“, sagte der Leiter der Abteilung, Prof. Dr. Ernst Kubista, bei einer Pressekonferenz in Wien. Frauen, die das BRCA1-Brustkrebs-Gen tragen, erkranken bis zum 70. Lebensjahr zu 85 Pro-zent an einem Mammakarzinom, 53 Prozent an dem kaum frühzeitig entdeckbaren Eierstockkrebs. Das BRCA2-Gen führt zu einem Mammakarzinom-Risiko von gar 84 Prozent und zu einer Gefährdung durch Eierstockkrebs zu 27 Prozent. Bisher wurden die Untersuchungen ausschließlich aus Forschungsgeldern finanziert. Mehrfach drohte bereits das Aus. Jetzt sprang die Gesundheitspolitik ein. „Wir haben 650.000 Euro zur Verfügung gestellt – je ein Drittel vom Ministerium, der Gemeinde Wien und vom Hauptverband“, sagte Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. Damit können in den kommenden drei Jahren die notwendigen genetischen Blutuntersuchungen für potenziell Betroffene aus ganz Österreich an dem Zentrum in Wien durchgeführt werden. Die Beratung der Frauen erfolgt über ein österreichweites Netz von 35 Einrichtungen. Bis jetzt wurden schon 2.165 Frauen aus 1.335 Familien in Österreich untersucht. Bei 416 Personen wurde eine erbliche Belastung festgestellt, bei 203 Menschen aus Risikofamilien konnte eine Belastung ausgeschlossen werden. Voraussetzung für die genetische Untersuchung ist ein „Stammbaum“, in dem auf einer Verwandschaftsseite zumindest zwei Brustkrebsfälle vor dem 50. Lebensjahr oder drei vor dem 60. Lebensjahr, einer vor dem 35. Lebensjahr oder ein Fall von Brustkrebs vor 50 und eine Eierstockkrebs-Erkrankung jeglichen Alters auftauchen. Ebenso kann daran gedacht werden, wenn in der Familie zwei Ovarialkarzinome (egal im welchem Alter) oder ein Brustkrebsfall bei einem Mann und einer bei einer Frau (Alter gleichgültig) festgestellt worden sind.

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