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Gesundheitspolitik 11. April 2006

Billige Zigaretten: Gefahr im Verzug

Studien haben festgestellt, dass bei niedrigen Zigarettenpreisen die Anzahl der Raucher steigt. Ärzte befürworten die Festlegung eines Mindestpreises für Zigaretten durch das Gesundheitsministerium.

Aller Vernunft zum Trotze haben Zigarettenpreise in Österreich derzeit einen Tiefstand erreicht. Die Folge daraus: „Die Quote der Raucher, die freiwillig das Rauchen aufgeben wollen, ist im ersten Quartal 2006 bereits um 20 Prozent gesunken“, mahnt Prof. Dr. Michael Kunze vom Nikotin Institut Wien. In Europa entstehen für das Gesundheitssystem Kosten von über 100 Milliarden Euro pro Jahr durch das Rauchen. Insgesamt gibt es in Österreich über zwei Millionen Raucher. Eine Tendenz, dass sich der Tabakkonsum bei uns reduziert, ist nicht absehbar – ganz im Gegenteil. Die traurige Bilanz des Nikotin Instituts Wien lautet, dass im ersten Quartal 2006 die Bereitschaft in der Bevölkerung, das Rauchen aufzugeben, um 20 Prozent zurückgegangen ist. Einen wesentlichen Grund dafür sieht der wissenschaftliche Leiter des Nikotin Instituts Wiens, Doz. Dr. Ernest Groman, in den niedrigen Zigarettenpreisen: „Die Zigarettenpreise in Österreich haben einen Tiefstand erreicht. Zigaretten werden derzeit in Österreich zu Schleuderpreisen verkauft und sorgen dafür, dass Raucher den Ausstieg hinauszögern. Auch für Jugendliche hat das verheerende Auswirkungen: Für sie ist die Verlockung besonders groß, billige Zigaretten zu kaufen.“ Das „European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs“ (ESPAD) hat in seinem Report 2003 festgestellt, dass im europäischen Vergleich Österreichs Jugendliche mit 49 Prozent, gleich nach Grönland (60 Prozent), am meisten rauchen. „2005 konnten wir einen positiven Trend zum Nicht-Rauchen beobachten, der auf Grund der Schleuderpreise im Jahr 2006 zunichte gemacht worden ist“, so Groman weiter.

Beunruhigende Statistik

Die gesundheitlichen Schäden, die durch Rauchen entstehen können, sind gravierend. Schätzungsweise sterben in Österreich zirka 14.000 Personen jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Die häufigste Todesursache als Folge des Rauchens ist in Österreich der Lungenkrebs. 90 Prozent aller Lungenkrebspatienten sind Raucher. Allein an dieser Krankheit sind 2003 in Österreich 2.339 Männer und 993 Frauen gestorben. In zahlreichen Studien wurde festgestellt, dass sich die Höhe des Zigarettenpreises unmittelbar auf das Rauchverhalten auswirkt. Eine Studie von Dr. Michael Kunze und Dr. Gabriele Wörgötter hat das Verhältnis zwischen Zigarettenpreisen und dem Tabakkonsum in Österreich im Zeitraum von 1955 bis 1983 untersucht. Die Studienautoren kamen zu folgendem Ergebnis: Um den Tabakkonsum konstant zu halten, ist es erforderlich, bei einem Anstieg des Tabakkonsums um einen Prozent den Zigarettenpreis um zwei Prozent zu erhöhen.

Preiserhöhung zeigt Wirkung

Kunze und Wörgötter stellten ebenfalls fest, dass auch ein geringeres, aber kontinuierliches An-heben des Tabakpreises zu dem Ziel führt, die Zahl der Raucher zu reduzieren. Global wird angenommen, dass die Erhöhung um zehn Prozent über den durchschnittlich geschätzten Preis von Zigaretten dazu führt, dass 40 Millionen Menschen weltweit das Rauchen aufgeben würden. „Vor diesem Hintergrund unterstützt das Nikotin Institut Wien die Initiative des Gesundheitsministeriums, einen Mindestpreis in Österreich einzuführen. Denn Public Health geht vor Free Market“, sagt Kunze. Das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen führt nach Ostern 2006 einen Mindestpreis für Zigaretten nach europäischem Vorbild ein, um der Verlockung, Billigzigaretten zu kaufen, entgegenzuwirken. In den Ländern Italien, Belgien, Irland und Frankreich wurde der Mindestpreis für Zigaretten bereits eingeführt.

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