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Gesundheitspolitik 5. April 2006

Salzburg: Ein Jahr Schwangerschaftsabbruch in Spitälern

Die vor einem Jahr trotz starker Gegenstimmen beschlossene Möglichkeit, an den Salzburger Landeskliniken Abtreibungen durchführen zu lassen, ist auf großen Bedarf gestoßen.

An der Gynmed-Ambulanz, die seit April 2005 jeweils an Samstagen Termine anbietet, wurden in den vergangenen zwölf Monaten rund 750 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen. „Das entspricht jenem Bedarf, von dem wir im Konzept ausgegangen sind“, erklärte die Psychologin Petra Schweiger vom Frauengesundheitszentrum ISIS, die in der Gynmed-Ambulanz Beratungen anbietet. „Die Ambulanz wird von den Frauen sehr gut angenommen, die Behandlungen laufen sehr ruhig und sicher ab“, zog der ärztliche Leiter der Gynmed-Ambulanz, Dr. Christian Fiala, Bilanz nach einem Jahr. Die Eröffnung der Ambulanz sei ein wichtiges Signal gewesen, weil man damit vermittle, dass die Probleme der Frauen ernst genommen und wohnortnahe gelöst würden. Zuvor hätten Frauen für eine Abtreibung in andere Bundesländer ausweichen müssen. „Das wäre in anderen Bereichen der Medizin undenkbar“, meinte Fiala.

Aufregung hat sich gelegt

Das umstrittene Angebot wurde durch eine Initiative von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller geschaffen. Sie hatte sich in dieser Frage gegen den Regierungspartner VP durchgesetzt, der sogar mit dem Bruch der Koalition gedroht hatte. Nach anfänglichen Demonstrationen vor den Landeskliniken hat sich die öffentliche Aufregung weitgehend gelegt. Rund drei Viertel der Frauen, die das Angebot bisher in Anspruch genommen haben, kommen aus Stadt und Land Salzburg. Der Rest stamme aus anderen Bundesländern, berichtete Schweiger. Etwa 70 Prozent der Frauen entschieden sich dabei für einen Eingriff unter Vollnarkose. Auffallend sei, dass vor allem erwachsene Frauen, die die Familienplanung schon abgeschlossen und mehrere Kinder hätten, in die Ambulanz kämen. Rund 60 Prozent der Frauen gehören dieser Zielgruppe an. Der Anteil sehr junger Frauen und Mädchen ist gering. „Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Frauen, die bereits Kinder geboren haben, auch über die Verhütung gut Bescheid wüssten“, sagte Fiala. Deshalb wird derzeit an Konzepten gearbeitet, um diese Zielgruppe verstärkt mit Informatio-nen über Prävention ungewollter Schwangerschaften zu erreichen. „Die Salzburger Lösung hat sich bei Organisation, Ablauf und Beratungsangebot zu einer Vorzeigeeinrichtung entwickelt“, ist Schweiger überzeugt. Pro Woche werden maximal 15 Termine vergeben. Die Kosten belaufen sich auf 425 Euro, unabhängig von der Methode des Abbruchs.

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