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Gesundheitspolitik 5. April 2006

Krankenkasse setzt Case-Manager ein

Die Ärzte haben erst aus den Medien davon erfahren. Im Land ob der Enns wurden Mitarbeiter der Gebietskrankenkasse „aufgeschult“, um Patienten nach schweren Unfällen oder mit chronischen Krankheiten mehr Unterstützung anbieten zu können.

„Gerade bei akut auftretenden Gesundheitsproblemen fühlen sich Patienten und deren Angehörige durch das vielschichtige und sehr differenzierte Angebot an medizinischen und sozialen Leistungen immer öfter überfordert“, nennt Alois Stöger, Obmann der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse (OÖ-GKK), ein Argument für das neue Angebot. Unter dem Titel „Netzwerk Hilfe“ bieten österreichweit erstmalig speziell weitergebildete Mitarbeiter der GKK individuelle Unterstützung an. „Wir haben von diesem Projekt eigentlich erst durch die Medien erfahren und waren auch nicht in dessen Entwicklung einbezogen“, bedauert der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in Oberösterreich, Dr. Oskar Schweninger. Insgesamt sei der Ansatz aber durchaus positiv zu bewerten. Zugesichert wurde der Standesvertretung, dass der Hausarzt auf jeden Fall über die Aufnahme eines Patienten in das „Netzwerk Hilfe“ informiert wird. Die Anregung dafür kann sowohl vom Patienten, den Angehörigen, vom Arzt als auch dem Entlassungsmanagement eines Spitals oder Alten- und Pflegheims ausgehen. „Außerdem wurde den Hausärzten bei der Präsentation versprochen, dass kein Case-Manager der GKK mit Patienten von Ambulanz zu Ambulanz geht, um ihn abklären zu lassen“, berichtet Schweninger. Die „neuen Helfer“ hätten auch keinen Auftrag, die ökonomische Verschreibweise von Ärzten zu kontrollieren. Der Kurien-Obmann erhofft sich durch das neue Projekt in einigen Situationen durchaus eine Entlastung der Ärzte und den einen oder anderen Vorteil durch die individuelle Betreuung.

Breites Aufgabenspektrum für Case-Management

Case-Manager sind unter anderem für die Begleitung des Entlassungsmanagements, Organisation und Implementierung von Hilfsmitteln, Ansuchen um Pflegegeld oder andere bürokratische Schritte zuständig. Auch bei der Suche nach einem Platz für Rehabilitation oder der Organisation und Koordination von mobilen Hilfsdiensten sowie der behindertengerechten Adaption von Wohnungen sollen Patienten unterstützt werden. „Die Leistungen des Netzwerk Hilfe beschränken sich also weder auf den eigentlichen Zuständigkeitsbereich einer Krankenkasse noch werden bloß Kontaktadressen weitergegeben und der Patient seinem Schicksal überlassen“, erklärt Stöger. Ein wichtiger Partner in diesem Netzwerk sei der Hausarzt, „der durch dieses Angebot sicher auch entlastet wird“.

Keine Einmischung in medizinische Expertise

Case-Manager sollen sich keinesfalls in die medizinische Expertise einmischen. Genauso wenig sei das Angebot als Konkurrenz zur Hauskrankenpflege zu verstehen, sondern vielmehr als Ergänzung. „Es geht auch darum, den Zugang zu Leistungen zu begleiten und wo möglich zu verkürzen“, betont Stöger. „Das Projekt ist außerdem ein wichtiger Baustein im professionellen Schnittstellen-Management.“ Das Netzwerk Hilfe könne durch Optimierung und bessere Koordination der Versorgung auch Kosteneinsparungen bringen, „weil damit Leistungen noch besser auf die individuelle Situation des Betroffenen abgestimmt werden“, ist Stöger überzeugt. Insgesamt werden in diesem
Bereich 44 Mitarbeiter der GKK in allen Bezirken tätig sein. Sie haben zuvor großteils in der Ver-waltung, z.B. der Krankenscheine, gearbeitet. Der Aufwand dafür wurde durch die Einführung der e-Card stark reduziert.

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