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Gesundheitspolitik 29. März 2006

Wahlarzt-Zuweisungen neu geregelt

Bisher war es in Niederösterreich vom leistungserbringenden Kassenarzt abhängig, ob er eine Wahlarztzuweisung akzeptiert oder nicht. Eine neue Vereinbarung mit Gebietskrankenkasse und kleinen Kassen hat dieses Problem gelöst.

Insbesondere Allgemeinmediziner unter den Wahlärzten waren mit der früheren Situation höchst unzufrieden. Sie konnten Patienten nicht an einen Kassenarzt für Allgemeinmedizin überweisen, ohne dass der Patient seinen Rückerstattungsanspruch beim Wahlarzt verliert. „Gerade in ländlichen Gegenden stellte das eine große Hürde dar, die Patienten abgehalten hat, einen Wahlarzt aufzusuchen“, so Dr. Christoph Reisner, Vizepräsident und Wahlärztereferent der Ärztekammer für Niederösterreich. Seit heuer ist der Weg aber geebnet: Durch die Einführung der e-Card wurde es für den leistungserbringenden Arzt mit Kassenvertrag möglich, die Anspruchsberechtigung des Patienten zu überprüfen. „Die Sozialversicherungsträger NÖGKK und alle kleinen Kassen haben inzwischen grünes Licht gegeben, die Kassenärzte müssen nunmehr alle Wahlarztzuweisungen wie Zuweisungen von Kassenärzten akzeptieren“, so Reisner.

Nachteile der Rezepturbefugnis

In allen Bundesländern außer Wien, Niederösterreich und dem Burgenland konnten Wahlärzte schon bisher eine Rezepturbefugnis beantragen, die mit dem Recht auf Zuweisung gekoppelt war. Gleichzeitig aber wurden die Verschreibungsrichtlinien wie beim Kassenarzt eingefordert. Reisner sieht die Rezepturbefugnis als zweischneidiges Schwert, weshalb sie in Niederösterreich nicht eingefordert wurde: „Insbesondere weil die Apotheken in Niederösterreich Rezepturen aus der grünen Box wie ein Kassenrezept behandeln.“ Speziell im Bereich Radiologie stellt diese Neuerung eine enorme Erleichterung für Patienten dar. Derzeit wird geprüft, ob die Gebietskrankenkassen der Nachbarbundesländer bereit sind, sich dieser Regelung der Zuweisung anzuschließen. In Niederösterreich sind die Wahlärzte durch das Ausscheiden der Zahnärzte aus der Ärztekammer bereits zahlenmäßig deutlich überlegen. Rund 1.600 Wahlärzten stehen 1.200 Kassenärzte gegenüber. „Aufgabe der Ärztekammer wird es daher in Zukunft sein, sich vermehrt um die Vertretung der Wahlarztinteressen zu kümmern“, fordert Reisner.

e-Card für Wahlarztpraxen?

Heftig diskutiert wird derzeit auch der Einsatz der e-Card in Wahlarztpraxen. In vielen Medien wurde berichtet, dass die Erweiterung des Systems auf Kliniken und Wahlärzte geplant ist. „Ein Angebot des Hauptverbandes liegt bereits vor, allerdings zu einem wirtschaftlich indiskutablen Preis“, so Reisner.

Unterschiede zu Kassenordinationen berücksichtigen

Er fordert eine auf die Ertragskraft von Wahlarztordinationen abgestimmte Preisstaffelung, insbesondere wegen der wesentlich geringeren Patientenfrequenz, bedingt durch die längere Dauer des Arzt-Patienten-Kontakts. „Das erfordert natürlich wesentlich ge-ringere EDV-Kapazitäten als beim Kassenarzt, der zusätzlich verpflichtet ist, bei jedem Arzt-Patienten-Kontakt die e-Card zu stecken“, begründet Reisner. Die Entwicklung der Ärzteverhältnisse im niedergelassenen Bereich ist für den Wahlärztevertreter kein Zufall: „Der Patient zeigt mit seiner Nachfrage ganz deutlich, dass ein privates Budget für verstärkte zeitliche Zuwendung seitens des Arztes vorhanden ist, die der Patient als bessere Qualität interpretiert.“ Dies sei natürlich durch den immer stärkeren Kostendruck des Kassensystems auf die Ärzte bedingt. Reisner fordert daher eine österreichweite Vereinheitlichung des Leistungskataloges, kombiniert mit realistischen, betriebswirtschaftlich kalkulierten Honoraren für Kassenärzte.

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