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Gesundheitspolitik 22. März 2006

Neue Leitlinie zur Tollwut-Prophylaxe

Derzeit gibt es zwar keinen Beleg für das Vorhandensein der Tollwut bei Wild- und Haustieren in Österreich, dennoch wird Prophylaxe ernst genommen.

Seit September 2005 fungiert die AGES, die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH, als Tollwutberatungsstelle für Österreich. Mit der eben erschienenen Leitlinie „Tollwut – Empfehlungen für die Prophylaxe beim Menschen“ stellt die AGES in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) Medizinern einen weiteren Baustein zur Bekämpfung dieser laut Weltgesundheitsorganisation „vernachlässigten Krankheit“ zur Verfügung.

Letzter Todesfall im Jahr 1979

„Die Tollwut ist in Österreich extrem selten“, sagt Prof. Dr. Franz Allerberger, Leiter des Bereichs Humanmedizin in der AGES. „Der letzte Todesfall, bei dem die Ansteckung in Österreich erfolgte, wurde 1979 in Kärnten verzeichnet.“ Überwacht wird das Auftreten der Tollwut in Österreich durch das AGES-Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen in Mödling, das zugleich nationales Referenz-labor für Tollwut ist. Pro Jahr werden hier rund 20.000 Proben von Tieren und vereinzelt von humanen Verdachtsfällen analysiert.

28 Impfstellen stehen bereit

Derzeit gibt es keinen Beleg für das Vorhandensein der Tollwut bei Wild- und Haustieren in Österreich. Erhöhte Vorsicht ist bei Fernreisen in Länder mit einem erhöhten Tollwutrisiko geboten. Im September 2004 starb ein 23-Jähriger, der in Marokko von einem tollwütigen Hund gebissen worden war. „Wir beraten daher die 28 benannten Impfstellen in Österreich, die eine postexpositionelle Tollwutbehandlung, das heißt eine Behandlung mit Immunglobulin nach einem Biss durch ein tollwutverdächtiges Tier, durchführen dürfen“, sagt Allerberger. Weltweit infizieren sich rund 55.000 Menschen pro Jahr, meist durch den Biss eines Hundes. Die Viruserkrankung führt nach dem Auftreten der ersten Symptome fast immer innerhalb von zehn Tagen zum Koma oder zum Tod. Die Inkubationszeit liegt im Schnitt bei zwei bis drei Monaten, kann aber auch zwei Wochen bis sechs Jahre betragen. Schutz bieten die aktive und passive Immunisierung; die neuen Impfstoffe sind gut verträglich. Die Tollwut-Beratungsstelle der AGES bietet fachliche Informationen für Ärzte und Patienten zur Tollwutsituation in Österreich und im Ausland, führt die österreichische Tollwut-Biss-Statistik und berät die vom BMGF benannten 28 Tollwut-Impfstellen zu Indikationen zur Tollwutimpfung nach Bissverletzungen durch ein wutverdächtiges Tier. Die Beratung am AGES-Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene Wien (Währingerstraße 25a, 1090 Wien) erfolgt an 365 Tagen im Jahr durch Ärzte (Montag bis Donnerstag 8 bis 16.30 Uhr; Freitag 8 bis 14 Uhr; Samstag, Sonntag und Feiertag 8 bis 12 Uhr, Tel. 050/555-37111 aus ganz Österreich). Außerhalb dieser Zeiten werden Anfragen unter Tel. 050/555-38112 entgegen genommen.

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