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Gesundheitspolitik 22. März 2006

Kasse zahlt multidisziplinäre Betreuung

Im „sowhat-Institut für Menschen mit Essstörungen“ arbeiten Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten zusammen. Ein Grundprinzip ist, den Zugang für Betroffene möglichst niederschwellig und auf Wunsch auch anonym zu ermöglichen.

Etwa jede 15. Frau in Österreich leidet zumindest einmal im Laufe ihres Lebens an einer Essstörung. Auch die Zahl der Männer mit Magersucht steigt an. „Seit dem Jahr 2000 haben wir einen Kassenvertrag für die multidisziplinäre Betreuung von Menschen mit Essstörungen“, berichtet die Allgemeinmedizinerin Dr. Renate Kastner, Mitglied des sowhat-Teams. Regelmäßig finden Treffen zur gemeinsamen Fortbildung sowie zur Weiterentwicklung des innovativen Projekts statt. „Das Konzept hat mehrere Vorteile“, betont Kastner. „Die Therapeuten können sich darauf verlassen, dass sich die Ärzte um den körperlichen Zustand der Betroffenen kümmern. Wir Ärzte können darauf vertrauen, dass der bei Essstörungen so wichtigen psychischen Komponente ausreichend Aufmerksamkeit geschenkt wird.“ Ein weiterer wichtiger Faktor sei die Langfristigkeit der ambulanten Therapieangebote; manche KlientInnen benötigen bis zu fünf Jahre Betreuung in unterschiedlicher Intensität.

Unterstützung auch für interessierte Angehörige

Das Konzept beachtet auch so-ziale Komponenten. Unterstützt wird der Verbleib in Schule oder Ausbildung bzw. im beruflichen sowie sozialen Umfeld. Soweit Bereitschaft dazu besteht, werden auch Eltern und andere Angehörige in den therapeutischen Prozess mit einbezogen. Für diesen Per-sonenkreis organisiert sowhat regelmäßige Treffen in Selbsthilfegruppen.

Ärzte als Impulsgeber

Zentrale Komponenten des Konzepts sind aus Kastners Sicht auch für niedergelassene Ärzte in dezentralen Regionen von Interesse: „Sie können Impulse bei der qua-litativen Betreuung von Menschen mit Essstörungen setzen.“ Dazu zähle das multi- und interdisziplinäre Vorgehen in Form von Wissens-, Erfahrungs- und Informationsaustausch mit Berufsgruppen wie Psychotherapeuten, Psychologen und Sozialarbeitern. Generell könnten Hausärzte eine wichtige Rolle als Koordinatoren solcher Netzwerke spielen bzw. ihr Wissen um den Hintergrund der Betroffenen und ihres Umfeldes einbringen. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit gemeinsamen Fallbesprechungen“, berichtet die Allgemeinmedizinerin. Für Menschen mit Essstörungen sei die Kontinuität der Behandlung wichtig mit verbindlichen, regelmäßigen Terminen. Bei sowhat gibt es im Schnitt einmal pro Woche einen therapeutischen Termin und mindestens einmal im Quartal eine ärztliche Untersuchung.

Kriterien für Einweisung

Aufgabe der betreuenden Ärzte ist es auch, zu erkennen, wann eine Überweisung in eine stationäre Einrichtung notwendig ist. Sowhat legt diese Grenze bei einem BMI von 14 an, auch die kontinuierliche Beobachtung des allgemeinen körperlichen und sozialen Zustandes ist ein Kriterium. Vor kurzem hat sowhat auch mit der Umsetzung eines Konzeptes für Kinder mit Essstörungen begonnen, bei dem mit Fachärzten für Pädiatrie zusammengearbeitet wird. Seit einigen Jahren ist im „sowhat-Institut für Menschen mit Essstörungen“ eine Arbeitsgruppe zum Thema „Essstörung bei Adipositas“ installiert mit dem Ziel, ein spezielles Behandlungsprogramm für diese Zielgruppe zu entwickeln.

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