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Gesundheitspolitik 29. März 2006

Hausärzte für Krebspatienten

Unkomplizierte Behandlungen für Krebspatienten können künftig auch von Hausärzten angeboten werden.

In Wien ist seit kurzem die Kooperation von onkologischen Zentren und niedergelassenen Ärzten möglich. Da für Schmerztherapien oder Infusionen kein stationärer Aufenthalt notwendig ist, sollen diese Leistungen an Hausärzte ausgelagert werden. Rund 250 Hausärzte bieten das Service künftig an. „Lange Wartezeiten in Spitälern und weite Anfahrtswege können so vermieden werden“, sagte Dr. Wolfgang Halbritter, Facharzt für Onkologie. Laut einer Befragung unter 258 Patienten stehen 85 Prozent diesem Modell positiv gegenüber. Sie würden es besonders schätzen, immer vom selben Mediziner betreut zu werden; in Fachzentren sei das oft nicht möglich. Eine Verbesserung der Lebensqualität könne auch auf den Genesungsprozess positiv einwirken, sagte Ekkehard Büchler von der Selbsthilfegruppe Prostatakrebs. „Therapien beim Hausarzt sind bei jenen Krebsarten möglich, bei denen sich Metastasen in Knochen bilden, allen voran Brustkrebs“, sagte Prof. Dr. Ernst Kubista, Vorstand der Gynäkologie am AKH Wien. Chemotherapie bleibe weiterhin in der Hand der Experten. „Wir wollen keine Onkologen werden“, stellte Dr. Barbara Degn, Wiener Allgemeinmedizinerin, klar. Fachärzte werden dem Patienten lediglich niedergelassene Mediziner vorschlagen, die Krebstherapien in der Nähe des Wohnorts des Patienten anbieten. Der Betroffene könne jedoch selbst entscheiden, wo er sich besser aufgehoben fühlt. Kostenreduktionen gibt es dadurch zwar für Spitäler, nicht jedoch für die Krankenkassen. „Die Politik ist gefordert, Strukturen zu schaffen, dass auch Kassen entlastet werden können“, argumentierte Halbritter auch im Sinne des neuen Projekts. Nach einiger Zeit soll evaluiert werden, wie die Wiener Krebspatienten das Angebot annehmen.

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