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Gesundheitspolitik 14. März 2006

Neue Leitlinien für Beschwerden gegen Ärzte

Mediation und „amikale Supervision“ sollen Ärzten helfen, gegen sie gerichtete Beschwerden möglichst rasch und zufriedenstellend zu klären.

„Nicht nur bei Beschwerden von Patienten über Ärzte, sondern auch bei Konflikten innerhalb der Kollegenschaft gab es bislang Mankos im Umgang mit den Rückmeldungen“, berichtet Dr. Johann Jäger, Obmann der niedergelassenen Kurie der Ärztekammer für Niederösterreich. Wenn jemand bei einem Arzt „ungebührliches Verhalten“ wahrnahm, wurde der Fall an den Disziplinaranwalt weitergeleitet - „und den Dingen ihr Lauf gelassen“, gibt Jäger etwas überspitzt die Situation wieder. „Es gab nur die Möglichkeiten einer simplen Abmahnung und einer mehrjährigen Haftstrafe.“ Laut Dr. Richard Hochmiller, der seit 1999 für die Ärztekammer als Patientenombudsmann tätig ist, gaben „Ärzte teilweise keinerlei Stellungnahme zu Vorwürfen ab oder teilten – mitunter mit härteren Ausdrücken – mit, die Ärztekammer solle sich gefälligst nicht in ihre Angelegenheiten einmischen.“

Die neuen Leitlinien

Nun wurden neue Leitlinien erarbeitet, die vor allem Probleme im organisatorischen Bereich frühzeitig abfangen sollen. Wenn eine Beschwerde von Patienten oder Ärzten einlangt, wird diese sofort schriftlich an den „angekreideten“ Arzt übermittelt. Dieser hat dann 14 Tage Zeit für eine „seriöse“ schriftliche Stellungnahme. Trifft dies nicht zu oder häufen sich Beschwerden über einen Arzt, bietet die Ärztekammer nun die Kontaktaufnahme durch einen „Mediator“ an. „Dieser kann dann vor Ort ein Gespräch mit dem betroffenen Arzt führen und zu den strittigen Details Informationen einholen“, so Jäger.

Ein konkreter Fall als Beispiel

Diese Aufgabe wird Hochmiller übernehmen, der dazu ein Beispiel bringt: Ein junger Arzt hatte Urlaubsvertretungen via e-Card als „normale Patienten“ angegeben. Dadurch entstand bei einem Kollegen der Eindruck, er wolle ihm Patienten wegnehmen. In einem von Hochmiller moderierten, gemeinsamen Gespräch vor Ort konnte das Missverständnis ausgeräumt werden. Als pensionierter Arzt war Hochmiller denkbar geeignet für die Rolle als unabhängiger Vermittler. Stellt sich in der Mediation heraus, dass tatsächlich ein nicht so einfach zu lösendes Problem vorliegt, wird dem Arzt Unterstützung in Form einer „freiwilligen“ Supervision angeboten. Lehnt der beschuldigte Arzt diese Vorgangsweise ab oder ergeben sich durch die Supervision keinerlei Fortschritte, dann folgt eine Vorladung durch den Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in die Kammer. Unter Einbeziehung von Mediator und Supervisor wird ein Gespräch mit dem Arzt geführt. Erst wenn sich auch hier keine Lösung ergibt und kein Einlenken möglich ist, wird der Fall an den Disziplinaranwalt weitergeleitet. Sämtliche Kosten für den Mediator und den Supervisor trägt die Ärztekammer. „Beschwerden über Ärzte basieren oft auf einem Mangel an Kommunikation“, betont Jäger. „Die neuen Leitlinien und die Unterstützung durch die Ärztekammer sind wichtige Beiträge, um unnötige und langwierige sowie kostenintensive Auseinandersetzungen zu vermeiden.“ Für Hochmiller ist das neue System „ein guter Beitrag zur Qualitätssicherung im niedergelassenen Bereich“.

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