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Gesundheitspolitik 8. März 2006

Aufwändige Visiten besser entlohnt

Für Hausbesuche und Leistungen zur Optimierung des Schnittstellen-Managements stehen nunmehr weitere finanzielle Mittel zur Verfügung. Ein Pilotprojekt in Hartberg soll Umsetzung und Vorteile in der Praxis evaluieren.

Pflegebedürftige wollen solange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben. Die gewohnte Umgebung ist oft auch ein wich-tiger Faktor für die Lebensqualität und die bessere Bewältigung von Symptomen. „Hausbesuche, z.B. bei Patienten mit Pneumonie, akuter kardialer Dekompensation, Insult, Reinsult oder diabetischen Stoffwechselerkrankungen, sind oft sehr zeitaufwändig und wurden bisher nicht entsprechend entlohnt“, betont Dr. Harald Tschojer, Kassenärztereferent der Ärztekammer für Steiermark. Dies gelte vor allem für Besuche in Altenheimen, wo bisher nur für den ersten Patienten ein Hausbesuch verrechnet werden konnte. Ausreichende Zeitressourcen müssten außerdem für die intensive Kooperation und Kommunikation mit mobilen pflegerischen, therapeutischen sowie sozialen Diensten eingerechnet werden.

Zuschlag seit Jahresbeginn

Nach intensiven Verhandlungen mit der Gebietskrankenkasse gibt es nun seit Jahresbeginn eine neue Leistung: den „Zuschlag für aufwändige Visiten“ für Allgemeinmediziner. „Ein wichtiges Ziel ist dabei auch das verbesserte Schnittstellen-Management mit dem Spital“, so Tschojer. Denn Entlassungen aus dem Krankenhaus oder aus Heimen müssten gut vorbe-reitet und begleitet sein. Der ausgehandelte Tarif von 16,14 Euro kann nun zusätzlich zum Honorar für Visiten auch mehrmals pro Person und Quartal verrechnet werden. Tschojer: „Natürlich sind das keine Unsummen, und manchmal ist diese Groscherlwirtschaft sehr frustrierend. Aber jahrelang hat sich in diesem wichtigen Bereich überhaupt nichts bewegt. Der nun gesetzte Schritt geht zumindest in die richtige Richtung.“

Mehr als 500.000 Euro im Topf

Die Mittel für den Zuschlag kommen aus den Einsparungen durch den „Arznei-Dialog“. Mehr als 517.000 Euro stehen zur Ver-fügung, und Tschojer ist zuversichtlich, dass dieses Budget ausreicht. Auch Patienten von Wahlärzten haben ab sofort einen Anspruch auf Rückerstattung dieser Leistung. Sollte der Betrag nicht ausgeschöpft werden, wird die Differenz auf alle Allgemeinmediziner, welche die neue Position verrechnet haben, aufgeteilt. Bei der neu konstituierten Landesplattform wurde von der Ärztekammer außerdem ein Projekt eingereicht, das den durch diesen Zuschlag positiven Effekt verstärken könnte. Im Pilotbezirk Hartberg sollen für die niedergelassenen Ärzte zusätzliche Leistungsposten eingeführt werden, die eine Behandlung im Spital möglichst kurz ausfallen lassen oder im besten Fall ganz vermeiden. So sollen auch Niedergelassene z.B. Sonden wechseln oder Geschwüre ausschneiden können, was bisher – mit entsprechendem finanziellen und strukturellen Aufwand – großteils nur in Spitälern gemacht wurde.

Rahmenbedingungen für Hauskrankenpflege verbessern

Neben der Finanzierung zusätzlicher ärztlicher Leistungen sind auch Mittel für die Begleitung und Unterstützung eines guten Entlassungsmanagements sowie die Koordination der multidisziplinären Betreuung in den eigenen vier Wänden vorgesehen. Das Pilotprojekt zielt somit auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Hauskrankenpflege ab. In weiterer Folge sollen die Erfahrungen im ganzen Bundesland umgesetzt werden. „Bei der Landesplattform wurden zwar viele Projekte eingereicht, ich bin aber zuversichtlich, dass gerade für dieses Vorhaben Mittel bewilligt werden“, so Tschojer. „Hier geht es um echte Einsparungen und Verbesserungen in der Behandlungsqualität bzw. im Bereich des Schnittstellen-Managements. Die Entscheidung für das Pilotprojekt Hartberg wird, so hofft der Allgemeinmediziner, in einer Sitzung der Landesplattform Ende März fallen.

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