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Gesundheitspolitik 8. März 2006

Hausapotheken: Sanfter Aderlass?

Der Nationalrat hat vergangene Woche die Karten für Hausapotheken neu gemischt. Demnach ist mit 40 bis 100 Schließungen zu rechnen.

So sieht die Zukunft der Hausapotheken aus. Nach der nun beschlossenen Neuregelung bleibt in kleinen Gemeinden mit nur einem Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag der „Vorrang“ der Haus-apotheke bestehen. In größeren Gemeinden mit drei und mehr Ärzten müssen Hausapotheken allerdings binnen drei Jahren geschlossen werden. Für Gemeinden mit zwei Ärzten gibt es ein Mischsystem mit Übergangsregelungen: Dort können öffentliche Apotheken künftig eine Konzession beantragen. Bestehende Hausapotheken müssen binnen zehn Jahren nach Konzessionserteilung – maximal mit dem 65.
Lebensjahr des Arztes – geschlossen werden. Übernimmt ein Arzt in einer solchen Gemeinde neu eine Ordination mit Hausapotheke, muss er sie schon binnen drei Jahren ab Erteilung einer Konzession für eine öffentliche Apotheke schließen. Der Apothekerkammer erscheinen vor allem die Übergangsbestimmungen in Gemeinden mit zwei Ärzten „verfassungsrechtlich bedenklich“. Die Ärztekammer widerspricht dieser Auffassung. Dass die Schließung einer Haus-apotheke die Versorgungssituation vor Ort sehr wohl verschlechtern kann, zeigt ein Beispiel aus Niederösterreich. Ein engagierter Allgemeinmediziner hat zahlreiche Missstände aufgedeckt, in den zuständigen Ämtern und Institutionen scheint aber niemand ein ernsthaftes Interesse daran zu haben, dies zu ändern.

Der Apothekerkammer erscheinen vor allem die Übergangsbestimmungen in Gemeinden mit zwei Ärzten „verfassungsrechtlich bedenklich“. Die beiden Ärzte dürfen ihre Hausapotheke trotz Bewilligung einer öffentlichen Apotheke zehn Jahre lang weiter betreiben. Dies mache die Eröffnung einer öffentlichen Apotheke in diesem Zeitraum „de facto unmöglich“, argumentieren die Apotheker, weil die öffentliche Apotheke neben den Hausapotheken wirtschaftlich nicht überlebensfähig wäre. Dem widerspricht der Obmann der niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer, Dr. Jörg Pruckner. Seiner Auffassung nach ist die Regelung sehr wohl verfassungskonform. Er verweist darauf, dass man in einer Gemeinde zuerst einen Arzt und erst dann einen Apotheker brauche. Eine Apotheke allein helfe den Patienten nicht. Pruckner begrüßte nicht nur die Regelung für Gemeinden mit zwei Ärzten, sondern auch, dass in Orten mit nur einem Mediziner der Vorrang der Hausapotheke bestehen bleibe. Damit würden die kleinräumigen Strukturen am Land abgesichert. Die Neuregelung dürfte die Schließung von 40 bis 100 Haus-apotheken zur Folge haben. Darüber sei die Ärztekammer zwar „nicht glücklich, aber man muss der Entwicklung Rechnung tragen“.

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