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Gesundheitspolitik 21. Februar 2006

Abbruchprojekt niedergelassener Facharzt?

Die Ärztekammer warnt vor dem Ende der niedergelassenen Fachärzte. Die Krankenkassen versuchen immer mehr Leistungen ins Spital auszulagern.

Der Prozess sei schleichend, die Signale allerdings unübersehbar, meint Ärztekammer-Präsident Brettenthaler. „Unter der Ideengebung des Hauptverbandes und der Duldung des Ministeriums werden immer mehr Leistungen ins Krankenhaus verlagert“, warnte er bei einer Pressekonferenz vergangene Woche in Wien. „Damit wird die freie Arztwahl der Patienten eingeschränkt.“

Vorsorgekolo nur im Spital?

Aktueller Anlass für die Sorge der Ärztekammer sind die Verhandlungen über die Vorsorge-Kolonoskopie. Weil sich Krankenkassen und Ärztekammer nicht über die Honorare einigen können, droht die Sozialversicherung nun, die Leistungen in die Krankenhäuser zu verlegen. Auch das Mammographie-Screening soll „plötzlich aus Kostengründen ins Spital eingelagert werden“, sagt der Internist und Kammerfunktionär Dr. Günther Wawrowsky. „Noch sind das einzelne Pilotprojekte, aber bald wird jeder Spitalserhalter herausen haben, welche Zuckerl er zusätzlich anbieten kann.“ Sie könnten die Leistungen günstiger anbieten, weil sie die bestehende Infrastruktur in den Häusern nutzen und nur die zusätzlichen Kosten in Rechnung stellen. Das habe allerdings seine Grenzen, wenn eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten ist. „Für die Mammographie wurden in Wien zusätzliche neue Geräte angeschafft“, kritisierte Dr. Jörg Pruckner, Obmann der Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte.

Technische Fächer bedroht

Vor allem die technischen Fächer seien von den Auslagerungen bedroht. Wawrowsky brachte einige konkrete Beispiele: Vor zwei Jahren gab es in Niederösterreich ein Projekt, wonach CT- und MR-Untersuchungen in den Krankenhäusern durchgeführt werden sollten. Im burgenländischen Güssing wurde diskutiert, die Facharztstelle eines Gynäkologen nicht mehr nachzubesetzen und die Frauen im Spital zu versorgen. In Salzburg wolle die Gebietskrankenkasse derzeit Radiologen- und Labormedizin-Kassenstellen nicht mehr besetzen und die Leistungen von Kliniken erbringen lassen. Und das, obwohl das Spitalspersonal bereits jetzt am Ende ihrer Kapazität sei, betonten die Standesvertreter. „Wenn diese geplanten Maßnahmen einmal greifen, wird es den freien Arzt bald nicht mehr geben“, bekräftigte auch der Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich, Dr. Lothar Fiedler. „Dabei schaut es mit der wohnortnahen Versorgung schon jetzt manchmal schlecht aus.“ Von der ÄRZTE WOCHE darauf angesprochen, versuchte der Niederösterreichische Finanzlandesrat, Mag. Wolfgang Sobotka, die Ängste der Ärzte zu entkräften: „Die niedergelassenen Fachärzte sind für uns wichtig. Ohne sie könnten wir die Fläche Niederösterreichs gar nicht versorgen. Jeder Landespolitiker, der ihre Abschaffung fordere, wäre ja blöd“, sagte Sobotka. Allerdings, so räumte er ein, sei das Land daran interessiert, dass sich „Ärzte in den Spitälern einmieten, um die teuren Geräte auszulasten“. Er erwarte, dass durch die neuen Landesgesundheitsfonds die Leistungen künftig besser geplant und dort erbracht werden, wo es für die Patienten besser und billiger sei.

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