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Gesundheitspolitik 8. Februar 2006

Spitalslastige Kassenpolitik

Diesmal trifft es das Bundesland Salzburg. Die dortige Gebietskrankenkasse will weitere Leistungen in den Spitalsbereich verlegen. Ein „Warnsignal“ für ganz Österreich, so die Kritik der Standesvertretung.

Die Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) kündigte kürzlich an, niedergelassene Facharztstellen für Radiologen und Labormediziner nicht mehr ausschreiben zu wollen. Diese Leistungen seien im Spital günstiger zu erbringen. „Das ist nur ein Symptom eines seit längerem sehr gespannten Verhältnisses zwischen Gebietskrankenkasse und Ärzteschaft in unserem Bundesland. In vielen Bereichen erleben wir eine ‚Schikane mit System‘“, klagt Dr. Walter Arnberger, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in Salzburg. Die GKK plant weiters, zwei durch Pensionierung frei werdende Facharztstellen in der Stadt Salzburg nicht mehr auszuschreiben. Stattdessen sollen zwei Stellen im Pinzgau entstehen. „In den betroffenen Bereichen Dermato-logie und Augenheilkunde kommt es schon jetzt oft zu unzumutbaren Wartezeiten auf Termine“, wendet Arnberger ein. „Außerdem klagen die Spitalsambulanzen über einen nur mehr schwer zu bewältigenden Ansturm.“ Es sei kontraproduktiv, Versorgungslücken im dezentralen Raum gegen weiter zunehmende Engpässe in der Landeshauptstadt einzutauschen. Siegfried Schlucker, der im Jänner bis 2010 wieder zum Obmann der SGKK gewählt wurde, kann die Aufregung, die auch über die Medien ausgetragen wird, nicht nachvollziehen. „Im österreichischen Gesundheitswesen sind wir mit einer Kostenexplosion konfrontiert. Wir haben vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger und vom Gesundheitsministerium den klaren Auftrag, nach Sparmöglichkeiten zu suchen.“ Im Rahmen der neu konstituierten Landesplattform würde es dabei „natürlich“ auch um den Spitalsbereich gehen. „Wichtig ist für uns, dass es zu keiner Einschränkung der Leistungen für die Patienten kommt“, betont Schlucker. In der Stadt würde es eher ein Überangebot an Fachärzten geben als in dezentralen Regionen. In der Radiologie und der Labormedizin wäre es auch wichtig, vorhandene Kapazitäten noch besser auszulasten.

Bloß Gedankenanstöße?

„Es trägt nicht zu einem kons­truktiven Dialog bei, wenn die Ärztekammer auf Gedankenan-stöße von uns mit massiven medialen Aktionen antwortet“, kontert Schlucker. Er verwehrt sich auch gegen die von der Ärztekammer mittransportierte Kritik am Neubau der GKK-Zentrale: „Diese war bislang an fünf Orten verstreut und großteils nicht barrierefrei – auch die Ärztekammer investiert in ansprechende Räumlichkeiten.“ Das gespannte Verhältnis zur GKK hat für Arnberger aber auch andere Gründe: „So gibt es jetzt zwar eine gute Lösung für die Übergabepraxis, die Projekte bezüglich Job-Sharing-Gruppenpraxis stecken aber fest.“ Eine im Bundesvergleich übermäßig harte Vorgangsweise hätte die SGKK auch lange bezüglich der O-Card-Limits, also der Krankenversicherung z.B. für Saisoniers, gewählt. Arnberger befürchtet zudem massive Probleme bei den anstehenden Honorarverhandlungen, wo es um Themen wie die Finanzierung eines Bereitschaftsdienstes durch niedergelassene Fachärzte für Psychiatrie geht.

„Billige“ Argumente?

„Die Tendenz, Leistungen ins Krankenhaus zu holen anstatt wie in der Gesundheitsreform eigentlich festgeschrieben auszulagern, ist äußerst bedenklich und für ganz Österreich ein Warnsignal“, ergänzt Arnberger. Das Argument „Radiologie oder Labormedizin könnte im Spital billiger angeboten werden“ berücksichtige viel zuwenig z.B. die Kosten für Spitalsgebäude. Es gehe dabei auch um die Überlegung der Kasse, die in der Vorsorgeuntersuchung Neu vorgesehenen Koloskopien eher im Spitalsbereich abzuwickeln. „Es gibt viele niedergelassene Ärzte mit entsprechender Ausrüstung. Diese wollen berechtigterweise aber eine faire Entlohnung ihrer Arbeit“, so Arnberger. Er hofft auf einen konstruktiven Dialog mit der GKK, vor allem auch im Hinblick auf die gemeinsame Entwicklung von Projekten für den Reformpool. „Generell wäre“, so der Ärztevertreter, „mehr Augenmaß bei den Ankündigungen und Vorhaben angebracht."

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 6/2006

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