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Gesundheitspolitik 1. Februar 2006

Wiederbelebung der Lehrpraxis

Die Pläne sind geschmiedet. Nun fordert die Ärztekammer von den Landesgesellschaften ausreichende Finanzmittel für den Ausbildungsteil
in den Lehrpraxen.

Im Ausbildungsgesetz ist eine sechsmonatige Tätigkeit in einer Lehrpraxis verpflichtend vorgeschrieben. „Das jetzige Modell der Lehrpraxis ist aber schon seit längerem obsolet“, kritisiert Dr. Peter Niedermoser, Vorsitzender der Ausbildungskommission der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Die geringe Bezahlung von etwa 1.300 Euro brutto ist nur ein Grund, warum ein letztlich sehr geringer Anteil der Ärzte in Ausbildung eine Lehrpraxis von innen sieht. Der entsprechende Topf im Gesundheitsministerium leidet an notorischer Unterdotierung. Die Listen mit Lehrpraxisangeboten sind oft nicht am letzten Stand und bringen außerdem nichts, solange kein Geld vom Ministerium zu haben ist. Von derzeit etwa 750 Bewerbern können deshalb nur 110 gefördert werden, Leiter von Lehrpraxen bekommen ohnehin keine finanzielle Unterstützung. Im Zuge der Vorarbeiten zum Facharzt für Allgemeinmedizin wurde nun ein Projekt für die Aufwertung von Lehrpraxen ausgearbeitet, das vergangene Woche z.B. in Oberösterreich bei der Landes-agentur eingereicht wurde. „Es ist ein Vorzeigeprojekt für diesen Bereich, denn die Ausbildung in Lehrpraxen ist ein unverzichtbarer Beitrag zu besserem Schnittstellen-Management“, betont Niedermoser. Von den Gesundheitssprechern der Parteien sowie von der Gebietskrankenkasse habe er bisher positive Resonanz auf das Vorhaben bekommen.

Ziele der Praxiserfahrung

Vorgesehen ist, dass der Facharzt für Allgemeinmedizin insgesamt 18 Monate in der Lehrpraxis verbringen soll; einen Teil davon nach einem Jahr Turnus und den anderen nach Abschluss. „So wird der Effekt verstärkt, dass sowohl Abläufe und Realität im Spital als auch im niedergelassenen Bereich hautnah erfahrbar werden“, ist sich Niedermoser sicher. Auch der Einblick in Probleme an den Schnittstellen zwischen intra- und extramuralem Bereich bzw. deren Vermeidung sei wertvoll. Schließlich könne die Behandlung von Patienten über alle Stationen mitverfolgt werden. Auch die Effekte einer guten Koordination durch den Hausarzt im Sinne eines optimalen Einsatzes der Mittel sind für einen Lehrpraktikanten wertvolles Rüstzeug. „Nach aktuellen Berechnungen ließen sich durch die bessere Förderung der Lehrpraxen bundesweit mindestens 36 Millionen Euro im Jahr einsparen“, berichtet Niedermoser. Im Gegensatz zu Österreich ist in zwölf europäischen Ländern eine ausreichende Unterstützung der Ausbildung in Lehrpraxen selbstverständlich. Um Gottes Lohn soll niemand arbeiten. Für in der Lehrpraxis Tätige ist ein monatliches Bruttogehalt von 2.200 Euro vorgesehen, der Leiter der Lehrpraxis soll für sechs Monate insgesamt 1.500 Euro für seinen Aufwand und die persönliche Betreuung bekommen. ÖÄK-Präsident Dr. Reiner Brettenthaler wünscht sich dazu möglichst umgehend eine Finanzspritze von 11 Millionen Euro. Dann könnten die neuen Pläne auch für Ärzte in der aktuellen Ausbildungsordnung Realität werden.

Alle Beteiligten profitieren

Eine aktuelle IFES-Umfrage stellt schon der jetzigen Form der Lehrpraxis ein sehr gutes Zeugnis aus. Selbst Spitalsärzte profitieren nach eigenen Aussagen viel vom Einblick in den Alltag eines niedergelassenen Arztes. Niedergelassene Ärzte nehmen sich aus der Lehrpraxis Kompetenz und Professionalität für die Praxisgründung und einen besseren Umgang mit Startschwierigkeiten mit. Auch die Leiter von Lehrpraxen profi­tieren von der Anwesenheit und der täglichen Mitarbeit eines jungen Kollegen sowie dem gemeinsamen Reflektieren.

 

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