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Gesundheitspolitik 25. Jänner 2006

Die Horrorprognosen der Krankenkassen

Alljährlich lässt der Hauptverband mit erschreckenden Prognosen über das Krankenkassen-Defizit aufhorchen. Doch auch 2005 ist das Ergebnis weit weniger schlimm als erwartet.

Die Defizit-Prognosen des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger haben ein gewisses Glaubwürdigkeits-Defizit. Selbst der Vorsitzende des Verbandsvorstandes, Dr. Erich Laminger, hat Mühe zu erklären (siehe Interview auf dieser Seite), wie aus einem prognostizierten Verlust von 418 Millionen Euro „nur“ 73 werden. Faktum ist, dass durch sehr viel „Vorsicht“ bei der Planung, außerordentliche Finanzspritzen und politische Maßnahmen die Kassen immer wieder „gerettet“ werden. Die Geldflüsse lassen sich dabei nur sehr schwer nachvollziehen. Das ist sowohl für die Ärztekammern als auch für die Pharmaindustrie ein Problem. Sie werden in den Verhandlungen immer wieder mit verwirrendem Zahlenmaterial konfrontiert. Tatsache ist auch, dass die Kassen im Jahr 2004 eine Steigerung der Beitragseinnahmen von 6,8 Prozent hatten. Im Vergleich dazu: In den Jahren davor lag das Plus bei knapp über zwei Prozent. Grund dafür waren neben einer günstigeren Wirtschaftsentwicklung auch Beitragserhöhungen. Im Rahmen der Gesundheitsreform wurden unter anderem die Beitragssätze von Arbeitern und Angestellten angeglichen, ein Zusatzbeitrag zur Freizeitunfallversicherung eingeführt sowie der Beitragssatz für Pensionisten angehoben. Zusätzlich gab es außerordentliche Erhöhungen der Höchstbeitragsgrundlage sowie der Rezeptgebühr. 2005 wird das Einnahmenplus aller Kassen zusammen bei 4,1 Prozent liegen. Dieser Effekt sowie geringere Kostenanstiege bei Medikamenten (plus 2,5%) und Arzthonoraren (plus 3,5%) sind laut Hauptverband für das moderate Gesamtdefizit in diesem Jahr verantwortlich. Eine außerordentliche Finanzspritze der Unfallversicherung von 100 Millionen Euro trug dazu bei, die Bilanz der Kassen im Wahljahr 2006 noch ein klein bisschen mehr zu verschönern.

Sanierte SVB

Extra Beitragserhöhungen gab es in der Bauern-Krankenversicherung (SVB), die noch vor kurzem zu den marodesten Kassen überhaupt gehörte. Sie wurde mit Hilfe von Bundeszuschüssen und außerordentlichen Einnahmen, unter anderem durch den Verkauf und das Zurückleasen des Ver-waltungsgebäudes, saniert. Ziel war es, sie als „schöne Braut“ für die bevorstehende Fusion mit der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft heraus zu putzen. Für 2005 könnte die SVB voraussichtlich ein Plus von nahezu 42 Millionen erwirtschaften, was aber im Großen und Ganzen ein Einmaleffekt bleiben wird.

 detail

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 4/2006

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