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Gesundheitspolitik 17. Jänner 2006

„Politischen Einfluss der Ärzte stärken“

Der „Neue“ will sich für den Interessenausgleich zwischen niedergelassenen und Spitalsärzten einsetzen und dazu beitragen, dass Ärzte in der Gesundheitspolitik mehr als nur Zuschauer sind.

Nach 17 Jahren hat der Allgemeinmediziner Dr. Otto Pjeta Ende Dezember 2005 sein Amt als Präsident der oberösterreichischen Ärztekammer zurückgelegt. Als Nachfolger wurde Dr. Peter Niedermoser, Pathologe im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz, gewählt: „Ich sehe mich nicht als ‚Übergangspapst’. Die Entscheidung, für dieses Amt zu kandidieren, hat eine langfristige Perspektive – auch über das Kammerwahljahr 2007 hinaus, wenn unsere Fraktion die entsprechende Unterstützung bekommt.“ Niedermoser ist schon seit 1993 in der Standesvertretung aktiv und war zuletzt Vizepräsident. Dass nun ein Spitalsarzt an der Spitze der Ärztekammer steht, sei keine Überraschung. Der neue Landeskammerchef sieht sich als Vertreter aller Ärzte unabhängig von ihrer Kurienzugehörigkeit, denn „eine zentrale Aufgabe des Präsidenten ist, zwischen den Ärzten im intra- und extramuralen Bereich zu vermitteln“. Die Erledigung von operativen Aufgaben in den Kurien unterstütze ein Eingehen auf die spezifische Situation der jeweiligen Ärztegruppen, ist Niedermoser überzeugt. Um den Interessenausgleich nach innen voranzutreiben, will er sich gemeinsam mit dem neuen Vizepräsidenten, dem Allgemeinmediziner Dr. Klaus Haslwanter, um einen möglichst direkten Kontakt mit vielen Ärzten bemühen. Vorgesehen sind der Besuch von Bezirksärztetreffen oder diverser regionaler Veranstaltungen. Den Auszug der Zahnärzte aus dem bisher gemeinsamen Haus bedauert Niedermoser persönlich: „Durch interne Umstrukturierungen wird der Arzt im Spital oder in der Ordination davon aber nichts merken. Wir werden uns darum bemühen, dasselbe Service und die gleiche Unterstützung wie bisher zu bieten.“

Lobbyismus für Ärzte

Der neue Präsident will kraft seines Amtes auch als „oberster Lobbyist der Ärzte“ agieren. Ein zentrales Ziel der nächsten Zeit sei, dass Ärzte wieder in gesundheitspolitische Pläne und Entscheidungen eingebunden werden. Momentan wäre dies viel zu wenig der Fall. „Wenn es um Wirtschaftspolitik geht, wird die Wirtschaftskammer einbezogen oder bei Interessen der Arbeitnehmer die Arbeiterkammer“, betont Niedermoser. „Im Gesundheitsbereich hingegen können sich die eigentlichen Spezialisten und Praktiker vor Ort kaum oder gar nicht einbringen oder werden erst dann gefragt, wenn die fer-tigen Verordnungen bereits auf dem Tisch liegen.“
Zu oft würden die Konsequenzen dieser Gesetze auf den Alltag der Ärzte nicht beachtet. „Schon jetzt werden Ärzte mit überbordender Bürokratie an den Rand des Machbaren gedrängt“, gibt Niedermoser zu bedenken. „Eine schlechtere medizinische Versorgung wird langfristig zu steigenden Kosten im Gesundheits- und Sozialbereich führen.“ Normalerweise sollten neue Gesetze hinsichtlich Kostenneutralität geprüft werden. In der Praxis werde aber zu wenig darauf geachtet, dass eine optimale Behandlung von Patienten im Spital oder im niedergelassenen Bereich gewährleistet sei. „Ärzte müssen wieder mehr zu einem politisch relevanten Faktor werden“, betont Niedermoser. Dringliche Anliegen dabei seien der Kampf gegen Zentralisierung und gegen eine Zwei-Klassen- Medizin.

Verbesserung der Ausbildung

In seiner Funktion als Vorsitzender der Ausbildungskommission der Österreichischen Ärztekammer wird der neue Landeskammer-Präsident an einer Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten arbeiten. Insbesondere möchte er sich für die Förderung der Lehrpraxis stark machen, dazu wird es in Oberösterreich ein eigenes Projekt für den Reformpool geben.

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