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Gesundheitspolitik 10. Jänner 2006

Kein Additivfach für Geriatrie!

Der Empfehlung des Obersten Sanitätsrates (OSR), einen Additiv-Facharzt für Geriatrie einzurichten, erteilt die Österreichische Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) eine klare Absage.

„Angesichts der steigenden Zahl alter und sehr alter Menschen ist spezielles Wissen um die Behandlung dieser Patientengruppe in Zukunft sicher wichtiger denn je“, betont ÖGN-Präsident Prof. Dr. Franz Aichner, Landesnervenklinik Wagner-Jauregg, Linz. „Das kann aber nur komplementär zum Fachwissen über die jeweils spezifische Erkrankung vermittelt werden. Ein 70-jähriger Mensch hat keinen anderen Schlaganfall als ein 60-jähriger, und er verdient genauso eine optimale Versorgung durch Schlaganfall-Spezialisten.“ Das Alter könne kein Kriterium für die Auswahl des geeigneten Behandlers sein, sondern nur die jeweilige Erkrankung. Die Etablierung einer „Allgemeinmedizin für alte Menschen“ (Aichner) berge massive Gefahren für die Versorgung der älteren Bevölkerung. Ein Facharzt für Geriatrie könnte mit den rasanten Entwicklungen in den für ältere Menschen relevanten Spezialgebieten, wie Neurologie, Psychiatrie, Onkologie, Orthopädie oder Rheumatologie, niemals Schritt halten. „Die gesamte Ärzteschaft – von der Allgemeinmedizin bis zu nahezu allen Sonderfächern – muss sich der Herausforderung der geriatrischen Medizin der Zukunft stellen“, sagt Aichner. „Ein Additivfacharzt für Geriatrie würde nur ein schmales Segment der ärztlichen Versorgung abdecken können, letztlich an der Realität vorbeigehen und sogar zu einer ungenügenden fachärztlichen Versorgung alter Menschen führen.“ Statt einer scheinbaren Spezialisierung auf Kosten der optimalen Patientenversorgung fordern Österreichs Neurologen eine ausreichende Verankerung geriatrischer Gesichtspunkte in allen einschlä-gigen Sonderfächern.HH n

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