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Gesundheitspolitik 10. Jänner 2006

Gezieltes Schnittstellen-Management

Wie die Zusammenarbeit zwischen intra- und extramuralem Bereich gezielt gefördert werden kann, zeigt ein Projekt mit Impulscharakter im oberösterreichischen Mühlviertel.

„Schon bisher gab es eine sehr gute und bewährte Basis der Kooperation zwischen dem Spital und den niedergelassenen Ärzten im Bezirk Rohrbach“, erklärt der Allgemeinmediziner Dr. Franz Burg- huber, Bezirksärztesprecher der Region. Im Rahmen des jährlichen Treffens von Ärzten aus beiden Bereichen entstand die Idee zum österreichweit einzigartigen Projekt „Critical Case Management“, berichtet OA Dr. Manfred Spannbauer vom LKH Rohrbach. Im Zentrum der Kooperation stehen seit Oktober des Vorjahres kritische Behandlungsverläufe im Bereich des Schnittstellen-Managements. In die Entwicklung des Konzepts wurde auch die Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) einbezogen. Unter der Leitung von Dr. Thomas Bes, niedergelassener Facharzt für Urologie in Rohrbach und Konsiliararzt am dortigen LKH, wurde vor kurzem eine zentrale Anlaufstelle für konkrete Fälle geschaffen. „Probleme, die sofort gelöst werden können, setzen wir rasch um, aufwändigere Fälle werden in einer Qualitätssicherungskommission diskutiert und im Rahmen von Projekten abgearbeitet“, erklärt Spannbauer. Damit sei sicher gestellt, dass auf akute Probleme rasch reagiert werden könne und gleichzeitig für komplexere Angelegenheiten ausreichend Raum vorhanden sei. Wertvolle Impulse sowie Vorteile bringt das „Critical Case Mana- gement“ sowohl für die Qualitätssicherung als auch unmittelbar für die Arbeitsqualität und Behandlungserfolge sowie die Patientenzufriedenheit. Zurückgreifen können die Projektbetreiber auf die bewährte Struktur eines seit mehreren Jahren bestehenden Qualitätszirkels in der Region. Dazu Burghuber, einer der Initiatoren dieses Zirkels: „Bisher nahmen Spitalsärzte an den Treffen eher selten teil. Das hat sich mittlerweile stark ge- ändert, denn jetzt ist dort auch reichlich Spielraum für gemeinsame Themen und die Umsetzung des Critical Case Managements.“

Leitlinien für das Procedere

In allen Fällen wird nach gemeinsam festgelegten Leitlinien vorgegangen, die auch eine entsprechende professionelle Moderation bzw. Dokumentation und Evaluation beinhalten. „Gerade diese gemeinsam von Spitals- und niedergelassenen Ärzten entwickelte Vorgangsweise macht das Projekt auch in anderen Regionen umsetzbar, insbesondere in jenen abseits der großen medizinischen Zentren“, meint Burghuber. Langfristig sei es aber nötig, das großteils ehrenamtliche Engagement, z.B. in den Qualitätszirkeln, auch finanziell zu honorieren. Solche Projekte sollten aus den Töpfen der Landesagenturen, z.B. aus dem Reformpool, institutionell gefördert werden, fordert der Allgemeinmediziner. „Meist geht es nicht um mangelhafte medizinisch-therapeutische Situationen, welche die Ergebnisqualität beeinflussen“, erklärt Burghuber. „Vielmehr weisen kritische Behandlungsabläufe oft ein Defizit in der Prozessqualität auf, also gar keine oder zu geringe Information und Kommunikation.“

Informationsfluss muss zuverlässig funktionieren

Deshalb wird in der praktischen Umsetzung des Critical Case Managements auch der Informationsfluss beachtet. Burghuber bringt dazu ein aktuelles Beispiel: „Ich habe bei der Überweisung einer Patientin ins Spital einen detaillierten Arztbrief geschrieben, mit Hinweisen zu bisher erfolgten Untersuchungen bzw. verordneten Medikamenten und Therapien.“ Darin fanden sich auch Fragen, die im Spital geklärt werden sollten. Allerdings blieb der Arztbrief bei der Patientin zu Hause liegen, als diese vom Roten Kreuz abgeholt wurde. Die Fragen und Vorinformationen fanden somit keine Berücksichtigung. Selbstkritisch stellt Burghuber fest: „Ich hätte den Brief besser mit den Überweisungsunterlagen verbinden und auf dessen Bedeutung explizit hinweisen sollen.“ Allerdings hätten auch Sanitäter bzw. Spitalsärzte nach solchen Informationen fragen können. Um Ähnliches in Hinkunft zu ver-meiden, wurde dieser Fall im Sinne des Projekts gemeinsam besprochen.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 1/2006

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