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Gesundheitspolitik 13. Dezember 2005

Auf der Suche nach Asbestgeschädigten

Etwa 100.000 Menschen sind in ihrem Berufsleben mit Asbest in Berührung gekommen. In den kommenden Jahren wird deshalb eine starke Zunahme der Pleuramesotheliomrate erwartet.

Lange Zeit galt Asbest als billiger und universell einsetzbarer Werkstoff. Asbestfaserstaub wurde schließlich aber als Risikofaktor für Asbetose, Pleuramesotheliom und Kehlkopf- sowie Lungenkrebs erkannt. „Die gesundheitlichen Auswirkungen treten oft erst 30 bis 40 Jahre später auf, der Gipfel der durch Asbest verursachten Erkrankungen kommt also erst noch“, erklärt Dr. Barbara Machan, Arbeitsmedizinerin an der Reha-klinik Toblbad der AUVA.
Zahlreiche Berufsgruppen waren mit Asbest in Kontakt, darunter Dachdecker, Installateure, Ofenbauer, Kfz-Mechaniker, Bremsbelag-Hersteller (Metall), Elektriker, Schlosser, Maler, Anstreicher, Bauarbeiter und Zimmerer. Auch in der chemischen Industrie, im Stahl- und Industrieofenbau, in der Papierindustrie oder in Kraftwerken Tätige können betroffen sein. Allerdings sind die geschätzten 100.000 Betroffenen heute bereits in Pension und deshalb oft schwer erreichbar. Dazu kommt, dass oft nicht bekannt oder bewusst ist, ob Asbest am Arbeitsplatz zum Einsatz kam. Deshalb stellen viele Betroffene keinen Zusammenhang zu später auftretenden Lungenerkrankungen her.
Seit dem Vorjahr läuft in ganz Österreich ein Projekt der AUVA und des „Beruflichen Bildungszentrums“ (BBRZ). „Für ArbeitnehmerInnen über dem 50. Lebensjahr, die gegenüber Asbeststaub exponiert waren, wird eine medizinische Untersuchung in Wohnortnähe angeboten. Diese ist freiwillig, für den Betroffenen kostenlos und wird in regelmäßigen Abständen wiederholt“, berichtet Ursula Berger, Projektleiterin Asbest-Nachsorge für das BBRZ Österreich. „Damit soll die Früherkennungs-rate erhöht werden.“
Der medizinische Check ist Ausgangspunkt für Unterstützungsangebote, wie Information und Beratung über soziale und rechtliche Ansprüche sowie Hilfestellung bei der Inanspruchnahme sozialer, medizinischer und psychologischer Leistungen. Angeboten wird auch eine Raucherentwöhnung.

Umfassende Nachsorge

Liegen bei der Erstuntersuchung keine asbestinduzierten Veränderungen der Lunge vor, ist eine Wiederholung des Thoraxröntgens alle zwei Jahre vorgesehen. Personen aus der Hochrisikogruppe für ein asbestbedingtes Lungenkarzinom wird eine jährliche Wiederholung des LDCT (Low-dose-Computer- tomographie) im Rahmen einer kontinuierlichen Nachsorge angeboten. Betroffene können eine umfassende Behandlung und Rehabilitation in Anspruch nehmen.
„Niedergelassene Allgemeinmediziner und Lungenfachärzte können dazu beitragen, dass Risikopersonen vom Angebot erfahren und auch den Mut haben, dieses in Anspruch zu nehmen“, betont Machan. Informationsblätter zum Thema sind verfügbar und können in der Ordination aufgelegt werden. „Ärzte sollten bei Lungenerkrankungen immer den beruflichen Hintergrund in die Anamnese einbeziehen und diese Information bei Überweisungen anfügen“, regt Machan an. Die Anerkennung als Berufskrankheit ist eine Voraussetzung für die Abdeckung der Leistungen. Sowohl betroffene Arbeitneh­merInnen und Unternehmen als auch Ärzte können sich mit ihren Fra-gen zum Thema an die BBRZ-Beratungszentren wenden (Service-Nr.: Tel. 070/6922-6969).

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