zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 30. November 2005

Tagesklinik für Alkoholkranke kommt gut an

In Oberösterreich wurde kürzlich eine Tagesklinik zur Betreuung und Behandlung Alkoholabhängiger eröffnet. Das Konzept kommt vor allem Personen entgegen, die in der Anfangsphase einer Suchtkrankheit stehen.

„Mit der Tagesklinik ist es gelungen, ein niederschwelliges Angebot für Menschen mit Alkoholabhängigkeit zu schaffen“, erklärt der Facharzt für Psychiatrie, Prim. Dr. Felix Fischer. „Mit dem bisherigen Konzept eines stationären achtwöchigen Aufenthalts konnten wir nur einen gewissen Teil der Betroffenen erreichen.“ Fischer ist ärztlicher Leiter des „Therapiezentrums Traun für Alkohol- und Medikamentenabhängige“, das Ende der 90-er Jahre umgebaut wurde und über eine gewisse Zeit nur mehr die Hälfte der stationären Plätze anbieten konnte. Ein alternativ angebotenes Tagesprogramm fand sehr gute Resonanz und wurde zum Ausgangspunkt für das Konzept der Tagesklinik in Traun.
„Die ersten Erfahrungen zeigen, dass wir mit diesem Angebot viele erreichen, die bisher erst sehr spät oder überhaupt nicht in eine adäquate Therapie gekommen sind“, zieht Fischer eine erste Bilanz. „Je früher dies geschieht, desto besser sind die Heilungschancen.“ Außerdem ergebe sich daraus eine deutliche Reduktion der Folgekosten für die medizinische und soziale Betreuung der Betroffenen.
Aufnahmevoraussetzung für die Tagesklinik ist, dass die Patienten vorher ein Entzugsprogramm durchlaufen haben, das im Schnitt ein bis zwei Wochen dauert. „Solche Programme können auch niedergelassene Allgemeinmediziner anbieten“, regt Fischer an. Diese hätten durch die Kenntnis der Lebensgeschichte und des gesamten Umfelds von Patienten sehr gute Voraussetzungen. Zudem werde das Prinzip der dezentralen Betreuung vor Ort im Rahmen der gewohnten Strukturen umgesetzt. „In Oberösterreich haben mehr als 350 niedergelassene Ärzte ein Fortbildungsprogramm zum Thema Prävention und Behandlung von Suchtkrankheiten durchlaufen“, berichtet Fischer.
Die Patienten der Tagesklinik werden vier Wochen lang täglich von 8 bis 16 Uhr betreut. Gearbeitet wird in Gruppen mit 12 bis 15 Betroffenen, die während dieser Zeit zusammenbleiben. „Zentrale Themen sind der Umgang mit der persönlichen Krise, die durch Abstinenz entsteht, und die intensive Auseinandersetzung mit der persönlichen Situation in einem therapeutischen Setting“, erklärt Fischer. Ein wesentlicher Aspekt sei auch der Aufbau eines Kontaktes mit den Angehörigen und deren individuelle Unterstützung. Für die Betroffenen wird sowohl während des Aufenthalts als auch danach Psychotherapie angeboten. Das Betreuungsprogramm der Tagesklinik beinhaltet auch Training in handwerklichen Fähigkeiten, Stressbewältigung und progressive Muskelentspannung sowie Bewegungstherapie, Reaktions- und Konditionstraining, Wirbelsäulenschule und Nordic Walking.
„Ein zentraler Vorteil dieser Form des Entzugs ist die hohe Wahrscheinlichkeit, dass er von den Patienten angenommen und durchgezogen wird“, meint der Psychiater. Durch die kontinuierliche Betreuung sei auch sicher gestellt, dass rasch eine Überweisung in eine stationäre Einrichtung erfolgen kann, wenn beim Entzug Probleme auftreten. Fischer hofft, dass das Beispiel der Tagesklinik in Oberösterreich Schule macht: „Vor allem Allgemeinmediziner und Psychiater sollten sich für den Aufbau solcher Einrichtungen stark machen.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben