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Gesundheitspolitik 30. November 2005

e-Card: Pleiten, Pech und Pannen

Zweimal stand das e-Card-System schon still – nichts ging mehr. Vergangene Woche trat abermals ein mehrstündiger Ausfall auf, das System lief im Offlinebetrieb weiter. Dennoch schwört der Hauptverband auf die Zuverlässigkeit des Systems.

Es war ein schwarzer Samstag. GINA hatte die Arbeit niedergelegt. Nichts ging mehr mit der e-Card. In 590 Arztpraxen standen zwei Stunden die Lesegeräte still. „Das war wirklich ein großes technisches Problem“, sagt „Mister e-Card“ DI Volker Schörghofer, Stellvertretender Generaldirektor im Hauptverband der Sozialversicherungsträger. „Gott sei Dank war es ein Samstag, und nur wenige Praxen hatten offen.“ Schuld an dem Supergau war die Technik: Eines der beiden e-Card-Rechenzentren war gewartet worden. Das zweite hätte die Arbeit automatisch übernehmen sollen, tat es aber nicht. „Dieser Fall wird so nicht mehr vorkommen“, sagt Schörghofer. Man habe durch Adaptierungen dafür gesorgt, dass sich in einem solchen Fall auto-matisch die GINA-Boxen in einen „Offline-Zustand“ versetzen. Dann gibt es zwar keine Online-Verbindung zum Hauptverband, aber die Daten der gesteckten e-Cards werden automatisch gespeichert.
Dies war auch bei der zweiten großen Panne der Fall, die sich nur drei Tage nach dem Supergau ereignete. Die beiden Rechenzentren hatten ein Problem mit der Synchronisierung. Diesmal reagierte GINA richtig und ging offline.„Auch diesen Fehler haben wir behoben, und er ist seither nicht mehr aufgetreten“, sagt Schörg-hofer. „Ich kann aber nicht versprechen, dass nie mehr wieder etwas passieren wird. Eine 100-prozentige Sicherheit ist bei technischen Dingen nicht finanzierbar. Unser Ziel ist eine 99,7-prozentige Verfügbarkeit des Systems.“ Die GINA-Technik scheint auch nicht der Hauptgrund gewesen zu sein, warum bei der Hotline und einigen Ärztekammern in den vergangenen Wochen die Telefone glühten. „Die größten Probleme gab es bei der Installation der Leitungen“, sagt Jürgen Schwaiger, Projektleiter in der Wiener Kammer. Besonders verärgert waren die Ärzte, wenn die Mitarbeiter der Provider nicht pünktlich oder gar nicht zu den vereinbarten Terminen kamen oder auch die Installation nicht auf Anhieb klappte. Die Ärztekammer hätte dann oft interveniert und Druck gemacht. „Manche Provider haben dazu gelernt und sich sehr stark verbessert“, sagt Schwaiger.

Schwarzer Peter wird hin- und hergeschoben

Nerven kostete die Ärzte auch das Zuständigkeitskarussell. Anruf bei der e-card-Hotline: „Wir sehen kein Problem – es muss am Provider liegen.“ Anruf beim Provider: „Das liegt an Ihrer Software.“ EDV-Firma: „Die Schuld hat der Hauptverband“. Ein Arzt in Niederösterreich lief zwölf Tage mit seinem Problem von einer Stelle zur an-deren. Als Schuldiger stellte sich zuletzt das Wählamt heraus.„Viele Ärzte haben sich mit ihrem Problem im Kreis gedreht und sind daran verzweifelt“, erzählt Schwaiger. Oft der letzte Ausweg: Ein EDV-Techniker kam um teures Geld in die Praxis und versuchte, den Fall an Ort und Stelle zu lösen. Für besonders haarige Probleme schickte die Ärztekammer für Wien einen Ziviltechniker auf eigene Kosten in die Praxis.

Bald erneute Zertifizierung

Zahlreiche Beschwerden gab es auch über EDV-Firmen. „Einige von ihnen haben bei der Einbindung der Software extrem hohe Preise verlangt“, kritisiert Schwaiger. Die Firmen hätten jedenfalls mit der e-Card ein gutes Geschäft gemacht. Leopold Rath von der NÖ-Ärztekammer ist überzeugt, dass sich auf diesem Markt bald die Spreu vom Weizen trennen wird. In einigen Monaten wird der Hauptverband die Softwarefirmen erneut zertifizieren. Dabei soll auch beurteilt werden, wie gut die Integration der e-card funktioniert hat. Ärger verursachte des weiteren der Datenmüll im System. Tausende Studenten waren im Sommer plötzlich unversichert, ebenso wie zahlreiche Arbeitslose, die das Arbeitsmarktservice gestrichen hatte. Auch fehlerhafte Angaben über Rezeptgebührenbefreiung, Versicherungsstatuts und die zuständige Krankenkasse führten zu Aufregungen im Wartezimmer.„Das war immer schon ein Problem“, sagt Schörghofer. Er sieht das allerdings positiv: „Die e-Card zeigt es nun auf und wird eine Erhöhung der Datenqualität bringen“. Sie werde dafür sorgen, dass in Zukunft Verwechslungen zwischen den Patienten Maier, Mayer und Meier leichter vermieden werden. Auch dass 22.800 Wiener Pensionisten falsch bedruckte e-Cards bekamen, sieht Schörghofer nicht weiter dramatisch: „Das war ein Prozent aller ausgesendeten Karten, und sie waren alle funktionstüchtig.“ Die einzige Selbstkritik von Mister e-Card gibt es am „Supportprozess“. „In vielen Fällen konnte den Ärzten an der Hotline nicht geholfen werden. Das ist unbefriedigend“, sagt er. Sein Traum ist ein gemeinsamer Help-Desk von e-Card-Gesellschaft, Providern und Softwarefirmen, die die Probleme aufnehmen, intern verteilen und auch wirklich lösen. Davon konnten die Ärzte beim Roll-Out allerdings auch nur träumen.

Mag. Andrea Fried, Ärzte Woche 48/2005

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