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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Callcenter für Bereitschaftsdienst

Eine bessere Koordination der verfügbaren Ärzte, aber auch medizinische Auskünfte für Patienten am Telefon sollen die Eckpfeiler des Ärztebereitschaftsdienstes sein. Er könnte zudem als Alternative zu Spitalsambulanzen eingesetzt werden.

„Eigentlich hat der derzeitigeÄrztebereitschaftsdienst über die Nummer 141 seinen Namen nicht verdient“, meint Dr. Herbert Machacek, Leiter des Referats für Notfallsdienste und Funk der niederösterreichischen Ärztekammer. Im Wochenendbereitschaftsdienst wäre seit dem Entstehen der viel kritisierten LEBIG, über die alle Notfallalarmierungen laufen sollten, jeder Arzt selbst für seine Erreichbarkeit zuständig. Unter 141 wird nur darüber informiert, wer Dienst hat. Wochentags zwischen 7 und 19 Uhr erfolgt eine Umleitung auf ein Tonband. Dort ist zu hören, dass sich die Patienten an die Rettung unter 144 oder den Hausarzt wenden sollen. Für Machacek ist die derzeitige Lösung völlig unbefriedigend und patientenfern: „Es ist nicht wirklich gewährleistet, dass rund um die Uhr in jeder Re-gion ein Arzt erreichbar ist. Den Patienten wird zugemutet, sich selbst zu informieren, welcher Arzt den Hausarzt vertritt, der zum Beispiel auf Urlaub, Fortbildung oder krank ist.“

Die Eckpfeiler des Konzepts

Ende April wurde von den niederösterreichischen Ärzten ein Konzept für eine 24-Stunden-Ärztehotline angenommen. Bei Nachtdiensten unter der Woche soll ein Arzt in einem Callcenter informieren, wie der nächste diensthabende Arzt erreichbar ist. Er würde auch die Disposition der diensthabenden Visitenärzte übernehmen, was bisher nicht befriedigend erfüllt wurde, und – soweit möglich – medizinische Auskünfte via Telefon geben. In Abstimmung mit den diensthabenden Sprengelärzten sollte diese Serviceleistung auch am Wochenende sowie an Feiertagen geboten werden. Das Callcenter soll aber auch unter tags während der Woche erreichbar sein. „Dabei steht wieder der Service- und Informa-tionscharakter im Vordergrund“, so Machacek. Der Patient solle sofort erfahren, welcher Arzt in der Nähe Ordination hat, zudem könnten einfache medizinische Informationen gegeben werden. „Diese Art der Erreichbarkeit darf aber keinesfalls als Konkurrenz zum Angebot der niedergelassenen Ärzte gesehen werden“, betont Machacek. In den letzten Monaten führte die Ärztekammer eine Befragung der niedergelassenen Allgemeinmediziner durch: 273 Vertrags- und 3 Wahlärzte wollen ein kostengünstiges Handy und damit eine verpflichtende Dienstbereitschaft am Wochenende usw. übernehmen. Machacek sieht im vorliegenden Konzept mehrere Vorteile. Möglich wäre dann eine klarere Unterscheidung zwischen den Nummern 141 und 144, das Callcenter wäre eine wichtige Schnittstelle zur Rettung. In Kooperation mit dem Disponenten könnte der Arzt im Callcenter auch klären, ob und welcher niedergelassene Arzt zusätzlich zu alarmieren ist. Weiters wäre es ein Quantensprung in der Unterstützung der Patienten bei der Suche nach ärztlicher Versorgung, vor allem auch dadurch, dass nur mehr eine einheitliche Nummer für Bereitschaftsdienste beworden wird und ein medizinisches Informationsangebot rund um die Uhr möglich ist.

Callcenter als Nahtstelle

„Die Existenz ärztlicher Bereitschaftsdienste und ihr Wert im Gesundheitswesen würden so viel stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht werden“, ist Machacek überzeugt. Er sieht das geplante Callcenter zukünftig auch als wichtige Nahtstelle zwischen ambulantem und stationärem Bereich im Rahmen der Gesundheitsplattform: „Die ärztlichen Bereitschaftsdienste sind eine medizinische und qualitative Alternative zu Spitalsambulanzen an Wochenenden und Feiertagen.“ Ähnliche Modelle gebe es bereits in Deutschland, wo sie sich sehr gut bewährt hätten. „Das Konzept könnte auch in anderen Bundesländern umgesetzt werden“, meint Machacek. Die neue Struktur des Callcenters soll von einer Gesellschaft getragen werden, in der Ärztekammer, Land und Gebietskrankenkasse vertreten sind. Als Standorte sind Wiener Neustadt und St. Pölten angedacht, die im Rahmen eines Pilotprojektes mit jeweils einem Arzt besetzt werden sollen.

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