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Gesundheitspolitik 29. November 2005

„Öffentliche Gesundheit“ interessiert auch Ärzte

In der Ärztekammer für Wien fand kürzlich eine gut besuchte Veranstaltung zum Thema „Public Health – Neue Berufchancen im Gesundheitsbereich“ statt. Vorgestellt wurden sowohl österreichische als auch internationale Ausbildungsangebote.

Wenn man in Internet-Suchmaschinen den Begriff „Public Health“ eingibt, so finden sich bei weltweiter Abfrage fast 62 Millionen Einträge. Beim Suchbegriff „Beatles“ erscheinen „nur“ knapp 13 Millionen Einträge. Welche Bedeutung ist also einem Begriff beizumessen, der beinahe fünfmal so oft wie die Beatles Erwähnung findet und ins Deutsche als „Öffentliche Gesundheit“ übersetzt wird? Die Geschichte von Public Health ist eng verwoben mit der Geschichte der Medizin, des sozialen Sicherungssystems, der Gesundheitsverwaltung und der Sozial- und Politikgeschichte im Allgemeinen. Im Gesundheitsbereich hat sich Public Health zu einer Managementdisziplin zur Leitung und Steuerung der Krankenversorgung und Gesundheitsvorsorge entwickelt. Eine multidisziplinäre Bündelung und Vernetzung ermöglicht die Erfassung gesundheitsrelevanter Daten, die Aufdeckung und Analyse der Einflüsse von Gesellschaft und Umwelt auf Gesundheit und Krankheit sowie die Entwicklung von kosteneffizienten, bevölkerungsbezogenen Maßnahmen für Prävention, Gesundheitsförderung, Verbesserung der medizinischen Versorgung, Änderung des Verhaltens oder Lebensstils und Kontrolle der Umweltbedingungen. Ein Ziel von Public Health ist demnach auch, dementsprechende Initiativen in Forschung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit zu verbessern. Im 20. Jahrhundert wurden diesbezüglich insbesondere im angloamerikanischen Raum erste universitäre Forschungs- und Ausbildungsprogramme entwickelt, wie beispielsweise die School of Public Health in Harvard im Jahr 1922.

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Die Situation in Österreich

In Österreich sind der Begriff „Public Health“ und seine umfassende Bedeutung vergleichsweise wenig bekannt und Lehre und Forschung dazu an den medizinischen Universitäten nur in Teilbereichen institutionalisiert. Eine Vorreiterrolle spielte die Universität Graz, die den ersten Master of Public Health-Lehrgang angeboten hat. Der formale Studienabschluss des „Pionierlehrganges“ erfolgte im Juli 2004, die Abschlussarbeiten (Masterthesis) werden im November 2005 anlässlich der Jahrestagung der European Public Health Association in Graz präsentiert.

Lehrgang in Wien ab Oktober

An der Universität Wien und an der Wiener Medizinischen Universität haben einige der institutionalisierten Teilbereiche von Public Health große Tradition und internationale Geltung. Diese Tatsache hat zur Implementierung eines berufsbegleitenden Master of Public Health-Lehrganges unter der Schirmherrschaft beider Univer-sitäten geführt. Lehrgangsbeginn ist im Oktober 2005. Besonders hervorzuheben sind hier die in den Statuten festgesetzten Kooperationen mit internationalen Partner­universitäten (Rom, Freiburg, Hannover und Ottawa). Die Wirtschaftsuniversität Wien bietet seit zirka 20 Jahren Ausbildungen in Krankenhausorganisation, Gesundheitsökonomie, Con­trolling und Qualitätsmanagement an, die sozusagen wirtschaftlich dominierte Teilbereiche von Public Health darstellen. Ebenso werden an der privaten Universität für Gesundheitswissenschaften, medizinische Informatik und Technik in Innsbruck, an der Donau Universität Krems, der Business School der Universität Salzburg sowie der Business School Vienna dementsprechende, wirtschaftlich orientierte Lehrgänge angeboten. Die drei Letzteren bieten sogar Ausbildungen für nichtakademische TeilnehmerInnen an. Die Präsentationen der Internationalen Public Health-Lehrgänge in Wien (siehe Tabelle) demon­strierten in eindrucksvoller Weise die Bedeutung der multidisziplinären Vernetzung auf internationaler Ebene und beleuchteten die Karrierechancen. Public Health bietet de facto interessante Alternativen zur Bewältigung vieler Aufgaben im Gesundheitsbereich und zur Lösung von Krisen im Gesundheitssystem an.

Dr. med. Piero Lercher, Ärzte Woche 23/2005

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