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Gesundheitspolitik 29. November 2005

Komplementärmedizin soll für alle leistbar sein

Eine engagierte Initiative will Politik und Hauptverband von der Sinnhaftigkeit komplementärmedizinischer Therapien überzeugen.

Seit dem 1.1.2005 gilt in Österreich ein neuer Erstattungskodex. Komplementärmedizinische Heilmittel, die vor allem in der begleitenden Therapie von chronisch Kranken und Krebspatienten erfolgreich angewendet werden, wanderten in die No-Box und wurden somit gänzlich aus dem Leistungsangebot der Krankenkassen gestrichen. Der Hauptverband erschwerte damit für betroffene Patienten den Zugang zu diesen Arzneien wesentlich. So sieht es jedenfalls die Sprecherin der von Ärzten und Patienten rund um den Dachverband der österreichischen Ärzte für Ganzheitsmedizin und der Gamed am 20. Juni 2005 in Wien gegründeten Plattform „Ja zur Komplementärmedizin – Österreich“ (www.ja-zur-komplementärmedizin.at). Die Teilorganisation „zukunfterleben“ (www.zukunfterleben.at) setzt sich für die Bezahlung der Misteltherapie durch die Krankenkasse ein und hat dafür über 10.000 Unterschriften gesammelt. Diese wurden am 20. Juni 2005 an Nationalratspräsident Dr. Andreas Khol übergeben.

Hauptverband wehrt sich gegen die Vorwürfe

„Komplementärmedizinische Heilmittel wurden nicht aus dem neuen ab Anfang 2005 geltenden Erstattungskodex gestrichen, sondern konnten mangels fehlender Antragstellung in diesen gar nicht aufgenommen werden“, erklärt der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger auf die seitens der Plattform „ja zur Komplementärmedizin“ erhobenen Vorwürfe.
Prof. Dr. Klaus Klaushofer, beratender Arzt des Hauptverbandes: „Wird seitens eines vertriebsberechtigten Unternehmens ein entsprechender Antrag gestellt, dann wird dieser jedenfalls entsprechend den Vorgaben der Verfahrensordnung zur Herausgabe des Erstattungskodex evaluiert. Und diese Verfahrensordnung schreibt vor, dass in den Erstattungskodex jene für Österreich zugelassenen, erstattungsfähigen und gesichert lieferbaren Arzneispezialitäten aufzunehmen sind, die nach den Erfahrungen im In- und Ausland und nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft eine therapeutische Wirkung und einen Nutzen für PatientInnen im Sinne der Ziele der Krankenbehandlung annehmen lassen. Dies bedeutet, dass von vertriebsberechtigten Unternehmen der Nachweis des zu erwartenden Patientennutzens in Form von Studien nach EBM-Kriterien (Evidence Based Medicine) überzeugend erbracht werden muss“.
Der Hauptverband räumt ein, dass derzeit ein Antragsverfahren zur Aufnahme von Mistelpräparaten in den Erstattungskodex läuft. Diese Präparate werden daher gemäß Verfahrensordnung seit 11. April 2005 im Roten Bereich des Erstattungskodex angeführt (siehe amtliche Verlautbarung www.avsv.at). Im Übrigen machen weder das ASVG noch die Verfahrensordnung für die Herausgabe des Erstattungskodex Unterscheidungen zwischen Schulmedizin und Komplementärmedizin.
„Die Lösung liegt daher nicht im öffentlichen Streit über verschiedene medizinische Verfahren, sondern in einem Konsens über die Art und Weise, wie der Nachweis von Wirksamkeit und die ökonomische Rechtfertigung für Kostenerstattung erbracht werden können“, so Klaushofer abschließend.

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