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Gesundheitspolitik 28. November 2005

Der Kurarzt ist kein Auslaufmodell

Wellness und fernöstliche Heilmethoden werden in den heimischen Kurorten immer beliebter, der Arzt scheint hier nicht mehr nötig zu sein. Die Kurmediziner selbst orten aber auch Hoffnungspotenziale.

„Die heutige Medizin kann zwar hoch spezialisierte Methoden für Diagnose und Therapie bieten, oft kommen aber der direkte Kontakt und die Kommunikation mit dem Patienten zu kurz“, analysiert Dr. Wolfgang Foisner, Vorsitzender des Österreichischen Kurärzteverbandes. Dies sei – auch im Kurbereich – mit ein Grund für den Zustrom zu alternativen Behandlungsmethoden.„Gerade die Kurmedizin bietet die Chance für eine umfassende Lebensstilberatung und Gesundheitsvorsorge und kann Menschen in ihrer konkreten Lebenssituation ansprechen“, betont Foisner. Dies wäre sowohl für dreiwöchige Kuren wichtig, die trotz des zahlenmäßigen Rückgangs nicht vernachlässigt werden dürften, als auch für Kurzaufenthalte in Kuranstalten. „Dabei steht oft der Erholungscharakter im Vordergrund“, berichtet Foisner, „der Aufenthalt soll einfach auch Spaß machen.“ Die Besucher seien aber grundsätzlich offen für die Angebote und die hohe Kompetenz der Kurmedizin. Dabei wäre es keineswegs notwendig, immer das gesamte Diagnostikprogramm auszuschöpfen. Für Foisner sind auch Überlegungen, für jede Massage eine ärztliche Abklärung vorzuschreiben, der falsche Weg.„Wir Kurärzte können alle Mitarbeiter von Kuranstalten motivieren und auch entsprechend schulen, die Augen für auffällige Symptome offen zu halten“, meint der Kurärztevertreter. In der Praxis sollte der Kurarzt aber leicht und schnell verfügbar sein und nicht nur auf Hochglanzfoldern zu Kurangeboten angepriesen werden.

Vielseitiger Ansprechpartner

Ähnliches gelte für alternative medizinische Angebote. „Auch hier sollte der Kurarzt ein wichtiger Ansprechpartner bleiben bzw. auffällige Symptome abklären können“, betont Foisner. „Oft liegt der Fokus zu stark auf oberfläch-lichen Beschwerden und zu wenig auf möglicherweise dahinter liegenden Ursachen.“
Einen weiteren Trend im Kurbereich ortet Dr. Georg Gerhold, Kurärztereferent der Ärztekammer für Steiermark: „In Kurorten öffnen Hotels der Luxusklasse ihre Pforten mit einem breiten medizinischen Angebot von plastischer Chirurgie bis zum kompletten allgemein- und sportmedizinischen Check up.“ Diese Entwicklung würden Privatversicherungen forcieren. Kurmediziner sollten darauf achten, sich auch in diesem Bereich mit ihren Angeboten aktiv zu platzieren.„Die Patienten erwarten sich von einem Kuraufenthalt berechtigterweise wesentlich mehr“, bestätigt Foisner. „Sie wollen umsetzbare Tipps für den Alltag, für die Steigerung der eigenen Lebensqualität und die Gesundheitsvorsorge in zentralen Bereichen wie Bewegung, Ernährung, Umgang mit Stress usw.“ Dafür nachhaltig wirksame Impulse zu geben, wäre auch bei Kurzaufenthalten, die im Kurbereich immer mehr Bedeutung bekommen, sehr gut möglich.
Foisner möchte die Kollegenschaft dazu motivieren, sich dem „spannenden Feld der Kurmedizin zu widmen, das zu unrecht ein teilweise verstaubtes Image hat“. Wichtig sei die spezialisierte Weiterbildung, obwohl diese nicht gesetzlich vorgeschrieben ist. Das Qualitätsbewusstsein der niedergelassenen Ärzte sollte jedenfalls auch für diesen Bereich nicht fehlen.

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