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Gesundheitspolitik 28. November 2005

Impulse für Forschung und Praxis

Die seit einem Jahr in Niederösterreich bestehende „Karl Landsteiner Gesellschaft“ setzt kontinuierlich Akzente in der Forschung und vernetzt diese auch mit der Praxis. Ein aktueller Schwerpunkt widmet sich der Männergesundheit.

Bisher geschah medizinische Forschung in Niederösterreich vor allem in der Donau-Universität in Krems. Nun haben Ärztekammer, die Spitalsgesellschaft NÖGUS und die vor einem Jahr ins Leben gerufene „Karl Landsteiner Gesellschaft“ den Entschluss gefasst, ihre Kooperation so zu intensivieren, dass künftig jedes Spital dezentral eigene Forschungsschwerpunkte betreut. „Obwohl Niederösterreich mit knapp 6.000 die zweithöchste Zahl an aktiven Ärzten in Österreich hat, gab es auf Grund fehlender Einrichtungen bisher relativ wenig Forschung“, analysiert Dr. Lothar Fiedler, Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich. Einzige bisherige Forschungsstätten waren die Ludwig-Boltzmann-Institute, die jedoch durch eine Systemänderung nicht mehr im gleichen Ausmaß tätig sein können wie früher. Diese Rolle übernehmen nun die „Karl Landsteiner-Institute“. In Niederösterreich sind bereits acht entstanden, weitere sieben in Wien.

Unterstützung durch ÄK

Finanzielle Mittel sollen durch Forschungsaufträge fließen, dazu kommen Gelder der Gesellschaft, Sponsoring sowie Förderungen aus regionalen und EU-Programmen. Organisatorische und finanzielle Unterstützung kommt zudem von der Ärztekammer, dem Land Niederösterreich und der Donauuniversität in Krems. Die Karl-Landsteiner-Gesellschaft ist nach dem in Baden geborenen Entdecker der Blutgruppen benannt, der 1930 den Nobelpreis für Medizin erhielt. „Sie bildet die organisatorische Grundlage und dient zugleich als zentrale Anlaufstelle für die Ärzte“, erklärt ihr Präsident Dr. Gerhard Weintögl. Auch ein europäisches Netzwerk befindet sich im Aufbau, eine Außenstelle in Warschau ist bereits gegründet.

Chance auch für jüngere Ärzte

Die dezentrale und damit auch stärker anwendungsorientierte Forschungsarbeit würde zudem die Berufschancen für jüngere Ärzte erhöhen. Denn ohne entsprechende Forschungsarbeit sei es bislang etwa aus einem Landeskrankenhaus fast unmöglich gewesen, eine leitende Position zu erhalten. Die Karl Landsteiner Gesellschaft bietet auch niedergelassenen Ärzten „eine organisatorische Grundlage und zentrale Anlaufstelle für wissenschaftliche Tätigkeit“, so Fiedler. Darüber hinaus wird diesen ermöglicht, „ihr reiches Wissen aus der täglichen Praxis wissenschaftlich aufzuarbeiten. Dies ist ein Faktor, der speziell in ländlichen Gebieten bislang gänzlich vernachlässigt wurde und viel zu wenig Eingang in universitäre Studien findet.“ Generell sei die Erfahrung niedergelassener Ärzte bislang bei wissenschaftlichen Arbeiten in vielen Bereichen ausgespart worden und Forschung lediglich auf klinische Bereiche reduziert. Fiedler erwartet sich dazu durch die neuen dezentralen Akzente in der Forschung eine Veränderung. Momentan werden durch die Institute in der Gesellschaft schon viele medizinische Gebiete abgedeckt. Das Bewilligungsverfahren läuft derzeit für die Bereiche Adipositas-, Gefäß- und Schulterchirurgie, Qualitätssicherung in computerunterstützten diagnostischen Verfahren, Patienteninformation sowie Schmerztherapie. Ihren Hauptsitz hat die Gesellschaft in St. Pölten. Vor kurzem bewilligt wurde der Bereich der Andrologie und Prostataforschung, der im Landesklinikum Weinviertel, Mistelbach, etabliert wurde. Dieses setzte schon bisher Akzente in diesem Bereich und soll zur Plattform zum Ausbau der Gesundheitsvorsorge in der Männermedizin werden.

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