zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 28. November 2005

Gesundheitsrisiken im und um das geliebte Auto

Die „ÄrztInnen für eine Gesunde Umwelt“ und die Wiener Umweltanwaltschaft beschäftigten sich mit den Auswirkungen des Straßenverkehrs.

„In Österreich hat sich der Personenverkehr auf der Straße in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt und der Güterverkehr fast verdreifacht“, informiert DI Dr. Hans-Peter Hutter, Mitglied der „ÄrztInnen für eine Gesunde Umwelt“ (ÄGU). Menschen verbringen sowohl in der Arbeit als auch, was vielfach unterschätzt wird, in der Freizeit immer mehr Zeit in Autoinnenräumen. Die Luftqualität ist dort gerade im Stadtverkehr durch Feinstaub, Benzol und Abgase oft sehr schlecht. Epidemiologische Studien zeigen, dass Personen, die Verkehrsabgasen auch in Autoinnenräumen länger und stärker ausgesetzt sind, eine Risikogruppe für z.B. Entzündungen der Atemwege und Lungenkrebs darstellen.

Frische Luft, nicht Chemie

Gesundheitsbelastungen ergeben sich auch aus anderen Quellen: flüchtige Kohlenwasserstoffe finden sich gerade in neu gekauften Autos. Die Fahrer klagen laut Fallberichten oft über Müdigkeit, Kopfschmerzen und verminderte Reaktionsfähigkeit. Langes Lüften im ersten halben Jahr soll helfen. Bei kalter Witterung neigen Windschutzscheiben vieler Autos zu „Fogging“, ein trüber Film behindert die Sicht. Verursacht wird dieser unter anderem durch die als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzten Phthalate. Problematisch ist hier der lange Zeitraum der Einwirkung. Befürchtet wird dadurch z.B. ein höheres Asthmarisiko. Die ÄGU fordert daher im Rahmen der ab Herbst verschärften Chemikalienpolitik auf EU-Ebene strengere Richtlinien für Kunststoffe. Für angeblich „frische Luft“ im Auto soll eine inzwischen sehr große Palette von „Cockpit-Sprays“, Duftbeuteln und im Luftsystem eingebauten Parfümspender sorgen. Diese Duftstoffe können sowohl beim Einatmen als auch durch Hautkontakt Allergien fördern bzw. allergische Anfälle auslösen. Eingesetzte synthetische Moschusverbindungen stehen im Verdacht, kanzerogen zu sein. Die ÄGU weist auch auf das Problem des Telefonierens während dem Fahren hin: Karosserie und Verglasung wirken wie Barrieren – Handys erhöhen automatisch ihre Sendeleistungen, um sie zu überwinden. In Fahrzeugkabinen wird ein Großteil der vom Handy abgegeben Strahlung im Kopf absorbiert. Untersuchungen lassen vermuten, dass elektromagnetische Felder die Aufnahme von Giftstoffen in der Luft verstärken könnten. Noch ein weiterer interessanter Aspekt ist die Zunahme elektronischer Assistenzsysteme, die den Weg weisen und/oder das Tempo regulieren. Der Fahrer wird dadurch gerade auf der Autobahn leichter unaufmerksam, und Müdigkeitssymptome werden verstärkt.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben